
Text von Ueli Schwarz, Fotos: Keystone / Gian Ehrenzeller / Til Buergy / Urs Flueeler
Die Saisonprognose im August und September war zumindest für mich herausfordernder als auch schon. Seither sind rund zwei Drittel der Regular Season bereits gespielt und es zeigen sich zum Jahresbeginn in der Tabelle folgende Fakten: die Tabelle ist viergeteilt.
Das Trio Davos, Fribourg und Lausanne hat sich leicht abgesetzt.
Dahinter tobt unter Lugano, Servette, den Lakers, den ZSC Lions und dem EV Zug ein ganz harter und sehr enger Kampf um die Top 6.
Nach Rang acht öffnet sich eine Lücke und da kämpfen aktuell mt den besten Karten die SCL Tigers, dann Kloten, Biel, der SC Bern und das etwas distanzierte Ambri mindestens um die Play In-Plätze neun und zehn, während Ajoie das distanzierte Schlusslicht bleibt.
Ich versuchte mich im Herbst als «Wetterfrosch» und ging bei meiner Einschätzung der Teams gemessen an deren Möglichkeiten vom besten, vom realistischen und vom schlechtesten Fall aus.
Der Realitätscheck dieser Einschätzung zeigt nun folgendes Bild:

Der HC Davos hat einen historisch guten Herbst mit teilweise extrem starken und stilsicheren Leistungen hinter sich und sich so ein massives Polster an der Tabellenspitze geschaffen. Die überragenden Resultate waren zwar ein paar Mal besser als die effektiven Leistungen, aber durch diese Siegesserien entstand riesiges Selbstvertrauen und ein Selbstbewusstsein, dass es immer möglich machte, einen für die Konkurrenz zermürbenden Weg zum Sieg zu finden.
Jeder Spieler – beginnend zu hinterst im Tor bis hin in die hinterste Hierarchie des Kaders – hat einen Formstand erarbeitet, der auch effektiv dem Potential entspricht. Kommt dazu, das Coach Holden die Zügel sehr gut in den Händen hat und es bislang stets verstanden hat, alle Füsse auf dem Eis zu halten.
Die Erfahrung zeigt, dass eine allzu problemlose Regular Season mit viel «Leichtigkeit des Seins» selten gut ist im Hinblick auf die Play Off`s. Nur wer auch mal «Dreck fressen und sich aus einem Loch kämpfen muss», ist dann im Hinblick auf die KO-Phase auch bereit, Widerstände zu überwinden und zu brechen.
Aus den Top 3 fallen, wird der HCD aber bestimmt nicht mehr und hat mit dem Gewinn des Spengler Cups ein erstes Ziel erreicht und bestimmt Appetit auf mehr erhalten.
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Bildrechte: Keystone / Gian Ehrenzeller
Lugano – mit sehr vielen Wechseln im GM-, Coaching- und Kaderbereich - startete auch verletzungsbedingt mit nur zwei Siegen aus den ersten zehn Spielen besorgniserregend und die bösen Geister der vorangegangenen Saison waren plötzlich wieder präsent.
Die Lernkurve daraus aber verlief so steil aufwärts wie bei keinem Konkurrenten. Das Team ist defensiv sehr gut strukturiert und weist solide Torhüterleistungen auf.
Während sich das Auswechseln vieler Ausländer immer als Risiko erweist, ist dieser Poker im Tessin aufgegangen. Die drei Nordamerikaner Carrick, Sgarbossa und Sanford schlugen gut ein, Sekac und Dahlström liessen sich mitreissen und bilden ein starkes Quintett.
GM Steinmann hatte auch etwas Pech, dass mit Kupari ein Hoffnungsträger noch kein Spiel bestreiten konnte. Mit der temporären Verpflichtung von Linus Omark hatte er ein gutes Näschen, denn just mit ihm kam Lugano langsam in die Spur. Nun holte er mit Emanuelsson für den auch langzeitverletzten Perlini offenbar auch noch ein weiteres, passendes Puzzleteilchen.
Mit dem vorübergehend verletzten Thürkauf, Fazzini, dem überaus positiv überraschenden Canonica, dem Rückkehrer Simion, sowie in der Defensive mit Alatalo, Aebischer und Mirco Müller wird das Quintett mit mehreren Schweizer Leistungsträgern optimal verbreitert.
Die Gruppe spielt unter dem neuen Coach Mitell strukturiert, defensiv sehr geordnet, solidarisch und kann auf dieser Basis das gerüttelte Mass an Talent auch umsetzen.
Die Top 6 sind wegen der Starthypothek noch nicht gesichert, aber die Leistungsentwicklung stimmt und die Top 6 könnten durchaus realistisch werden.

Bildrechte: Keystone / Andrea Branca
Die Lakers setzen eine alte Tradition der National League fort. Fast jede Saison gibt’s ein Überraschungsteam, das alle Prognosen Lügen straft und einen wohltuenden Farbtupfer bildet.
Nicht zum ersten Mal in den letzten Jahren sind es die Lakers.
Dass sie anfang Januar mit völlig intakten Chancen um die Top 6 spielen und aktuell ein schönes Polster auf den Pulk ab Rang 9 mit Langnau, Biel, Ambri, Kloten und Bern haben, darf man als riesiges Kompliment für die geleistete Arbeit auffassen. «Mach aus dem was du hast, dann und dort wo du bist das Beste» - genau das zeichnet die Lakers aus.
Ein hervorragender Start mit 7 Siegen in den ersten 10 Spielen beflügelte das Team und stärkte das Selbstvertrauen und das Selbstverständnis. Frisch von der Leber weg, ohne Komplexe und mit breiter Brust der Überzeugung agierten die Lakers von anfang Oktober weg weiter und legten eine Serie von sieben Siegen in Serie hin.
Darauf folgte dann eine ebenso lange sieglose Serie, die die Lakers dank dem mehr als fetten Polster der ersten zwei Monate der Saison im Kampf um die Top 6 halten. Man befürchtete mehr und mehr einen Absturz in der Tabelle…aber nein, auch dem trotzten die Lakers. Zwar nicht mit einer Siegesserie aber immer wieder mit einem Sieg hier und dort.
Wer sind die Stars die das möglich machen? Das Team! Es lebt von der Homogenität, der Leidenschaft und davon, dass fast jeder Spieler sein individuelles Optimum herausholt. Selbst üble verletzungsbedingte Ausfälle auf wichtigen Positionen konnten so kompensiert werden.
Diese gut gecoachte und geführte Truppe überrascht weiter. Sowohl die Top 6 als auch die Top 8 – beides wären Top Platzierungen – scheinen im letzten Teil der Saison möglich – Chapeau!
DIE VOLLE LADUNG EISHOCKEY!
PROGRAMM DER NÄCHSTEN 7 TAGE AUSCHECKEN

Bildrechte: Keystone / Christian Merz
Teil 2: Servette und Fribourg
Teil 3: Kloten, Tigers und Lausanne
Teil 4: Ajoie, Ambri, Biel und Zug
Teil 5: Bern und Zürich