Halbzeitbilanz National League: Teil 4

05.01.2026
Aktualisiert am 08.01.2026

Text von Ueli Schwarz, Fotos: Keystone / Savlatore Di Nolfi / Andrea Branca / Marcel Bieri 

Die Prognose zur National League: Ajoie, Ambri, Biel und Zug im Realitätscheck

Die Saisonprognose im August und September war zumindest für mich herausfordernder als auch schon. Seither sind rund zwei Drittel der Regular Season bereits gespielt und es zeigen sich zum Jahresbeginn in der Tabelle folgende Fakten: die Tabelle ist viergeteilt.

Das Trio Davos, Fribourg und Lausanne hat sich leicht abgesetzt.

Dahinter tobt unter Lugano, Servette, den Lakers, den ZSC Lions und dem EV Zug ein ganz harter und sehr enger Kampf um die Top 6.

Nach Rang acht öffnet sich eine Lücke und da kämpfen aktuell mt den besten Karten die SCL Tigers, dann Kloten, Biel, der SC Bern und das etwas distanzierte Ambri mindestens um die Play In-Plätze neun und zehn, während Ajoie das distanzierte Schlusslicht bleibt.

Ich versuchte mich im Herbst als «Wetterfrosch» und ging bei meiner Einschätzung der Teams gemessen an deren Möglichkeiten vom besten, vom realistischen und vom schlechtesten Fall aus.

Der Realitätscheck dieser Einschätzung zeigt nun folgendes Bild:

Biel, Ajoie, Ambri und Zug stehen da, wo sie von mir im schlechtesten Fall erwartet wurden!

HCA HCAP EHCB EVZ

HC Ajoie

Die Gretchenfrage des HC Ajoie vor der Saison war: kommt man endlich mal weg vom letzten Platz oder ist schon sehr früh wieder klar, dass man keine Aussicht auf einen Rang besser als der 14. hat? Vor der Saison habe ich mich dahingehend festgelegt, dass die klare Verbesserung bezüglich durchschnittlicher Minustore von 3,62/Spiel aus dem letzten Jahr der Schlüssel zu einer rangmässigen Verbesserung sei. Aktuell steht man bei 3,5, was halt nur ein bisschen besser ist.

Ich habe mich auch festgelegt, dass Ajoie vor allem zu Hause punkten müsse (1,5 P/GP). Auch da genügen die aktuellen 0,76 Punkte halt eben auch noch nicht. Positiv hingegen sind die 16 Auswärtspunkte.

Aktuell gilt: alle Jahre wieder … man ist das Schlusslicht und hat mehr Hoffnung als Realitätssinn, wenn man daran denkt, endlich den letzten Platz loszuwerden – frustrierend aus Sicht der Jurassier. 48 Punkte waren bislang die höchste Punktzahl seit der Rückkehr in die NL. Das Knacken dieser Zahl scheint noch nicht ausgeschlossen, immerhin.

Es gibt Konkurrenten, die auch wenig überzeugend und konstant spielen, aber die eigene Leistungskonstanz ist bislang auch zu wenig vorhanden, um davon rangmässig zu profitieren. Zuversichtlich darf stimmen, dass man in vielen Spielen nahe dran ist und dass man mit Siegen gegen den SCB (2x), die Tigers, Servette, den ZSC, Kloten, Ambri und Zug, sowie einzelnen Punktgewinnen gegen Lausanne, die Lakers und Biel zeigte, dass man die Konkurrenz ab und zu herausfordern kann. Das Ab und Zu muss einfach regelmässiger werden.

Die Entwicklung der Resultate zeigte vor allem im November Fortschritte. Der Schritt von knapp verlieren zu knapp gewinnen ist halt eben gross und im Fall des HC Ajoie derzeit oft noch etwas zu gross. Den letzten Platz loszuwerden scheint auch heuer fast unmöglich. «Warm anziehen» und «mit vollster Konzentration zur Sache gehen» bleibt jedem Gegner empfohlen, denn sonst fährt Ajoie die Ernte oder zumindest einen Teil davon ein.

HC Ajoie

Bildrechte: Keystone / Andrea Branca

HC Ambrì-Piotta

In Ambri wird wie gewohnt gelitten und gezittert. Der aktuelle Rang 13 – das der schlechte Fakt – ist ungemütlich, Rang 9 aber – das der gute Fakt – liegt noch in erreichbarer Sichtweite.

Was aber anders war als auch schon, war die ausgebrochene Panik im Herbst. Dass im Oktober das langjährige Sport-Duo Duca/Cereda nach nur zwei Siegen aus den ersten zwölf Spielen und dadurch provoziertem nervösem, ungeschicktem Agieren der Clubführung ihre Dienste quittierten, war ein Alarmzeichen. Ebenso der Umstand, dass Ambri bislang nur sehr durchschnittliche Leistungen seiner doch so wichtigen Ausländer verzeichnet.

Mit der Übernahme des Teams durch die vorherigen Assistenten Landry und Matte trat mit vier Siegen in sechs Spielen eine dringend notwendige, kurzfristige Beruhigung ein. Wirklich lange Negativserien blieben seither aus, aber der Schlusspurt vor Weihnachten mit vier und der Start ins 2026 mit zwei Niederlagen lässt es unruhig bleiben, und deshalb steht man da, wo man eben aktuell steht.

Kommt hinzu, dass die hausgemacht ausgelösten Personalrochaden im Herbst und das zur Verfügung stehende Amt des Präsidenten Lombardi im Hinblick auf die Zukunft viele zu klärende Fragen offen lässt. Wenigstens weiss man, wer künftig das sportliche Sagen im Club haben wird: Lars Weibel.

Die Leventiner müssen derzeit stark im «Hier und Jetzt» leben und agieren, den Fragen nach der Zukunft können ablenkende Wirkung haben. Aber eben – Ambri ohne Leiden wäre nicht Ambri. Will es seine tabellarische Position verbessern, muss in allen Bereichen eine Steigerung her, denn wie die anderen Teams in dieser Tabellenregion hat auch Ambri nach hinten keine Marge.

HC Ambrì-Piotta

Bildrechte: Keystone / Juergen Staiger

EHC Biel-Bienne

Der EHC Biel befindet sich mitten im Pulk zwischen Rang 9 und 13 und durchlebt einen schwierigen, inkonstanten Saisonverlauf. Der aktuelle Rang 12 entspricht tabellarisch dem prognostizierten schlechtesten Fall. Zu gross waren die Leistungsschwankungen bislang, um besser dazustehen.

Krass auffallend sind die unterschiedlichen Gesichter zu Hause und auswärts. An guten Tagen oder in guten Momenten im Spiel zeigt sich, dass mehr möglich wäre. In schwachen, fahrigen und unkonzentrierten Momenten hingegen fällt das Team zu tief, und das führte zu vielen verschenkten Punkten jeweils in der Schlussphase der Spiele. Wohl genau deshalb ist Rang 13 näher als der offizielle Zielrang 8.

Von der Spielanlage her hat sich das Team offensiv gegenüber letzter Saison gesteigert, spielt kreativer und generiert mehr als vor Jahresfrist. Um die Festtage herum hingegen konnten designierte Leistungsträger (die Ausländer, Captain Haas und Hofer) offensiv aber zu wenig beitragen, um mehr Punkte zu holen. Wenn die besten Spieler nicht die Besten sind, wird’s eben schwierig.

Die weiteren Problemzonen neben der eklatanten Auswärtsschwäche liegen im Gamemanagement gegen Schluss der Spiele, im Bereich der Defensive und des Unterzahlspiels sowie in nicht immer konstanten Torhüterleistungen.

Erfreulich hingegen sind die vielen jungen Spieler, die sich direkt aus der U21 oder via der Partnerschaft mit Olten jeweils problemlos integrieren und Fortschritte erzielen. An ihnen liegt es bestimmt nicht, dass Biel krebst.

Kriegt man die Problemzonen in Griff, kann man die Play-Ins schaffen. Es braucht aber eine Steigerung, denn ein Nachlassen kann sich sofort fatal auswirken. Biel hat – wie alle Teams in der aktuellen Tabellenkonstellation – keine Marge nach hinten.

EHC Biel-Bienne

Bildrechte: Keystone / Peter Klaunzler

EV Zug

Die bisherige Saison des EV Zug ist ein Rollercoaster. Sehr positiv stechen drei Dinge heraus: erstens steht man im Halbfinal der Champions League, zweitens erfrischen viele junge, neue Spieler im Dress des EVZ, und drittens hat man im Schlusspurt vor Weihnachten überzeugt.

Dass man voll im Fight um die Top 6 steckt, hat mit der Hypothek eines doch stark durchzogenen Saisonstarts zu tun. Eine ungeliebte Besucherin wurde in der OYM-Hall viel zu oft gesehen – die Verletzungshexe. Zeitweise war die jeweilige Startaufstellung vor den Spielen ein grosses Rätselraten. Gerade in der Verteidigung klafften öfters grosse Lücken, aber auch offensive Schlüsselspieler wie Martschini und Tatar traf es hart.

Das Team und Coach Liniger wurden dadurch stark gefordert, und darin liegt wohl ein Grund für zu Beginn recht oft inkonstante Spiele. Schwierig gestalteten sich zuerst die Heimspiele. Nur selten gelangen konstante und siegreiche Spiele.

Dass man nie jammerte, trotz nicht nur befriedigenden Resultaten, und Auftritten ruhig weiter den Weg beschritt – ein überaus solider Genoni, die immer treffsicherer gewordenen Hofmann und Kubalik, der in der Personalnot fast überall einsetzbare Senteler sowie die erwähnten eingesprungenen Spieler machten es trotzdem möglich zu punkten.

Gemessen daran ist es ein positives Fazit, dass man die Top 6 in Griffweite hat. Aber dann muss man jetzt, besonders nach dem missglückten Start ins 2026, den bislang besten EVZ der Saison sehen. Die unliebsame Inkonstanz muss nun ab sofort der Vergangenheit angehören.

Gemessen an der Klasse des Kaders wird der EVZ in meiner Erwartung weiter «gesunden», sein Spiel festigen, den hohen (auch eigenen) Erwartungen gerecht werden und sich letztlich in den Top 6 realistisch platzieren.

EV Zug

Bildrechte: Keystone / Marcel Bieri

Teil 1: Davos, Lugano und Rappi
Teil 2: Servette und Fribourg
Teil 3: Kloten, Tigers und Lausanne
Teil 5: Bern und Zürich