Halbzeitbilanz National League: Teil 5

05.01.2026
Aktualisiert am 08.01.2026

Text von Ueli Schwarz, Fotos: Keystone / Marcel Bieri / Philipp Schmidli

Die Prognose zur National League: Bern und Zürich im Realitätscheck

Die Saisonprognose im August und September war zumindest für mich herausfordernder als auch schon. Seither sind rund zwei Drittel der Regular Season bereits gespielt und es zeigen sich zum Jahresbeginn in der Tabelle folgende Fakten: die Tabelle ist viergeteilt.

Das Trio Davos, Fribourg und Lausanne hat sich leicht abgesetzt.

Dahinter tobt unter Lugano, Servette, den Lakers, den ZSC Lions und dem EV Zug ein ganz harter und sehr enger Kampf um die Top 6.

Nach Rang acht öffnet sich eine Lücke und da kämpfen aktuell mt den besten Karten die SCL Tigers, dann Kloten, Biel, der SC Bern und das etwas distanzierte Ambri mindestens um die Play In-Plätze neun und zehn, während Ajoie das distanzierte Schlusslicht bleibt.

Ich versuchte mich im Herbst als «Wetterfrosch» und ging bei meiner Einschätzung der Teams gemessen an deren Möglichkeiten vom besten, vom realistischen und vom schlechtesten Fall aus.

Der Realitätscheck dieser Einschätzung zeigt nun folgendes Bild:

Der SC Bern und die ZSC Lions stehen schlechter da, als von mir im schlechtesten Fall erwartet!

SCB ZSC

SC Bern

Beim SC Bern ist Vieles eingetreten, was Pessimisten vermutet haben: Lugano, Servette, Fribourg, Davos, aber auch die überraschenden Lakers und Zug sind heuer deutlich besser unterwegs als im Vorjahr und haben den stagnierenden SC Bern bislang klar hinter sich gelassen und den schillernden 3. Platz des Vorjahres relativiert.

Zur Situation passt, dass man bereits sehr früh in der Saison den Panik-Knopf drückte und Jussi Tapola durch Heinz Ehlers ersetzen wollte oder musste – je nach Optik. Viel Verletzungspech und teilweise erschreckende Formschwächen von Einzelelementen haben sicher zum enttäuschenden Zwischenstand beigetragen. Es ist aber auch deutlicher als es dem Club lieb ist zu Tage getreten, dass ein Generationenwechsel unumgänglich ist.

Erfreulich sind die vielen Jungen (Graf, Rhyn, Füllemann, Schild), die von der Situation profitieren und ihre Sache so gut wie möglich erledigen – auch das erwartungsfrohe und anspruchsvolle Berner Publikum schätzt das.

Mit vier Siegen aus den letzten sechs Spielen vor Weihnachten, einem Zittersieg in Ajoie zu Jahresbeginn, hat man sich Zuversicht geholt, mindestens die Play-Ins erreichen zu können. Das Minimalziel der Berner – die Top 6 – ist weit weg, die Top 8 derzeit auch.

In Anbetracht des Kaders müsste sich der SCB im aktuellen Tabellen-Pulk mit Kloten, Biel und den SCL Tigers im optimistischen Fall Rang 9 oder 10 holen können. Aber Achtung: auch Rang 13 ist noch nahe … es darf im neuen Jahr in Bern nur eine Richtung der Leistungskurve geben: aufwärts!

SC Bern

Bildrechte: Keystone / Andrea Branca

ZSC Lions

Die ZSC Lions erleben einen holprigen, den eigenen Ansprüchen kaum gerecht werdenden Weg. Das war in diesem Ausmass für mich nicht zu erwarten. Eine teilweise krass mangelnde Effizienz, als Folge davon ein schwaches Powerplay, der intern oft weggeredete Meisterblues und viel Verletzungspech lassen die bisherige Regular Season nicht «flutschen».

Kommt dazu, dass sich mit Davos, Fribourg und Lausanne drei Organisationen steigerten und sich auf Kosten des Meisters in den Top 3 festsetzten. Auch die Lions sind halt «irdisch» – wenn ein Andrighetto, ein Malgin, ein Balcers, ein Grant oder ein Kukan oft fehlen, dann sind das nicht die gleichen Lions. Offensichtlich ist auch geworden, dass Lammikkos Abgang eine grosse Lücke hinterlassen hat, die bislang nicht gleichwertig gefüllt werden konnte.

Das Gute daran: die Top 6 oder gar die Top 4 sind in Reichweite und bleiben durchaus erreichbar. Ich habe im September scherzhalber behauptet, dass die Lions nur dann ausserhalb der Top 3 sein werden, wenn «das Undenkbare denkbar werden sollte und die Limmat plötzlich südostost-, statt nordwestwärts fliesst». Nun gut, das tut die Limmat noch heute nicht, aber die Regular Season ist ja auch noch nicht zu Ende und am Willen oder am Talent in der Tabelle nach oben zu klettern, gibt’s eh keine Zweifel.

Prognosen sind und bleiben eben reines «Glücksspiel», wie zu Saisonbeginn befürchtet. Mal schauen, inwiefern sich die Situation der Teams in der restlichen Regular Season bis am 9. März noch verändert … die Meisterschaft ist so eng, dass in wenigen Tagen Vieles ganz anders, besser oder deutlich schlechter aussehen wird. Langweilig wird’s nicht, es soll uns recht sein.

ZSC Lions

Bildrechte: Keystone / Claudio Thoma

Teil 1: Davos, Lugano und Rappi
Teil 2: Servette und Fribourg
Teil 3: Kloten, Tigers und Lausanne
Teil 4: Ajoie, Ambri, Biel und Zug