Halbzeitbilanz National League: Teil 3

05.01.2026
Aktualisiert am 08.01.2026

Text von Ueli Schwarz, Fotos: Keystone / Salvatore Di Nolfi / Cyril Zingario / Marcel Bieri

Die Prognose zur National League: Kloten, die Tigers und Lausanne im Realitätscheck

Die Saisonprognose im August und September war zumindest für mich herausfordernder als auch schon. Seither sind rund zwei Drittel der Regular Season bereits gespielt und es zeigen sich zum Jahresbeginn in der Tabelle folgende Fakten: die Tabelle ist viergeteilt.

Das Trio Davos, Fribourg und Lausanne hat sich leicht abgesetzt.

Dahinter tobt unter Lugano, Servette, den Lakers, den ZSC Lions und dem EV Zug ein ganz harter und sehr enger Kampf um die Top 6.

Nach Rang acht öffnet sich eine Lücke und da kämpfen aktuell mt den besten Karten die SCL Tigers, dann Kloten, Biel, der SC Bern und das etwas distanzierte Ambri mindestens um die Play In-Plätze neun und zehn, während Ajoie das distanzierte Schlusslicht bleibt.

Ich versuchte mich im Herbst als «Wetterfrosch» und ging bei meiner Einschätzung der Teams gemessen an deren Möglichkeiten vom besten, vom realistischen und vom schlechtesten Fall aus.

Der Realitätscheck dieser Einschätzung zeigt nun folgendes Bild:

Kloten, die SCL Tigers und Lausanne stehen da, wo sie von mir realistisch erwartet wurden!

EHCK SCL LHC

EHC Kloten

Kloten – der Überflieger der letzten Saison – hatte lange grössere Mühe. Das Team hat nun aber mit einer Serie um die Festtage herum seine Position im Kampf um die angestrebten Play-Ins bezogen. Die aktuelle Tabellenlage entspricht recht exakt meinen realistischen Erwartungen.

Ich war vor der Saison relativ erstaunt, dass das letztjährige, überaus solide und erfolgreiche Team auf so vielen Positionen – namentlich bei den Ausländern – verändert wurde. Ich empfand es eher riskant. Nach sehr gutem Start der neuen Ausländer Puhakka, Leino, Lindroth und Klok flachte ihre Leistungskurve eher ab. Morley spielt in etwa im Erwartungsbereich und mit der Verpflichtung Cignac’s hatte man lange mehr (Verletzungs-)Pech, denn wie gerade zuletzt benötigte Torfreude.

Kommt dazu, dass mit Meyer und phasenweise Derungs zur Zeit nur zwei Schweizer ab und zu für einen gewichtigen Unterschied bezüglich Scoring sorgen konnten. Weder Raphael noch Simon Meier, noch der letztjährige Punktesammler Ramel, noch Simic kamen bislang wirklich auf Touren. Es gibt bislang auch keinen jungen «Überflieger» im Kader. 23 Spiele mit keinem, nur einem oder zwei Plustoren sind zu viel, um regelmässig zu punkten.

Die Goalies Waeber und die sehr erfreulichen Fadani und Huet spielten allermeistens sehr gut, aber bei der oft mangelnden Torproduktion hätten sie fast übermenschlich abwehren müssen, damit das Team mehr Punkte geholt hätte.

Die gute Seite ist, dass man sehr nahe am Rang 9 mitten in einem Pulk mit dem SC Bern, Langnau, Ambri und Biel verwickelt ist. Will man in die Play-Ins, darf die Leistungskurve Klotens wie bei vielen anderen Teams nur noch die Aufwärtsrichtung kennen, denn Marge gibt’s auch in der Flughafenstadt nicht.

EHC Kloten

Bildrechte: Keystone / Patrick B. Kraemer

SCL Tigers

Bei den SCL Tigers entstand vor der Saison wegen der grossen personellen Veränderungen gegenüber dem Vorjahr (Charlin, Saarijärvi, Saarela, Malone…) eine gewisse Skepsis. Es spricht aber für die Organisation und das Coaching, dass man diese Abgänge mit Björninen, Petersson, Meyer, Kinnunen optimal auffangen und die Entwicklung der Mannschaft ohne grosse Einbrüche stetig weitertreiben konnte.

Die Mentalität des Teams stimmt. Man glaubt gegen wen auch immer an sich, an die Spielweise und stellt für jeden Gegner jeden Abend eine Knacknuss dar.

Der aktuelle Rang 9 entspricht ziemlich genau der prognostizierten realistischen Erwartung. Ein noch besserer Rang ist zurzeit noch etwas entfernt, andererseits hat man sich dank einem Top-Start ins 2026 ein kleines Polster im Kampf um die Play-Ins geschaffen.

Mit Bern, Kloten und Biel bilden die Tigers eine Tabellengruppe, die nahe beieinander liegt. Wie prognostiziert werden die Play-In-Plätze – vor allem der 9./10. Rang – ohne Marge nach hinten sehr umstritten sein. Deshalb muss sich das Team nahe am Optimum bewegen, um dafür in Frage zu kommen.

Der Kurs stimmt, man gibt sich bei mindestens gleichbleibender Leistungskonstanz die Chance, das zu erreichen. Ein Nachlassen würde man auch im Emmental rasch teuer bezahlen.

SCL Tigers

Bildrechte: Keystone / Marcel Bieri

Lausanne HC

Lausanne steht trotz schlechtem Schlusspurt und vielen Verletzungen ziemlich genau so da, wie erwartet werden konnte. Einzig der grosse Punkterückstand auf den Leader Davos überrascht, was aber mehr mit der überragenden Leistung von Davos denn mit Lausanne zu tun hat.

Trotz den Langzeitausfällen eines Suomelas, eines Kahuns oder eines Heldners spielt das Team sehr gefestigtes Hockey. Beide Torhüter können Spiele auch stehlen, die Defensive mit den beiden Artisten Niku und Brännström – der absoluten und unbestrittenen Attraktion der gesamten Liga – ist gut strukturiert und trägt enorm viel dazu bei, dass die Waadtländer zu den offensiv effizientesten Teams gehören.

Vorne spielen die Schweizer Riat, Fuchs und Rochette bislang allesamt eine sehr tragende Rolle, und die Neuzugänge Czarnik und Caggiula punkten regelmässig und helfen dem Team trotz ihrem hie und da etwas nachlässigem Defensivverhalten. Auch Oksanen trägt mit sehr viel Spielmacherqualitäten – Assists – zum sehr erfolgreichen Offensivspiel bei.

Herausstechend im ganzen Teamkonstrukt sind die verschiedenen Rollenspieler. Sie tragen klaglos und aufopfernd viel dazu bei, dass die Stars genug Eiszeit haben und entsprechend glänzen können. Das ist nebst der perfekt zum Kader passenden Spielweise ein weiterer Beleg dafür, dass das Team eben auch hervorragend gecoacht ist.

Lausanne wird bis im Frühling mit dieser Chemie, diesem Stil und dieser Einstellung noch lange Hockey spielen und muss zuerst einmal besiegt werden, wenn jemand anderes vom Titelgewinn träumt.

Lausanne HC

Bildrechte: Keystone / Cyril Zingario 

Teil 1: Davos, Lugano und Rappi
Teil 2: Servette und Fribourg
Teil 4: Ajoie, Ambri, Biel und Zug
Teil 5: Bern und Zürich