
Text von Thomas Roost, Fotos: Keystone, zvg.
Jonah Neuenschwander, geboren am 10. März 2009, Stand heute 191cm und 85kg, galt bereits im zarten Alter von 14 Jahren als Supertalent mit NHL-Erstrundenpotenzial. In der Folge wurde er bei Biel in der Saison 24/25 in der National League eingesetzt und machte seine Aufwartung in den Schweizer Juniorenauswahlteams U18 und U20 und dies teilweise als so genannt Triple-Underager. In der letzten Saison stagnierte aber seine Entwicklung und er wirkte immer mal wieder überfordert, sei es in der National League, bei der U20-Nati und auch im letzten Sommer bei der U18, bei der er – noch immer als «Underager» - eine Führungsrolle innehatte, jedoch beim Hlinka/Gretzky-Turnier diese Last noch nicht tragen konnte. Es ist aber meistens so, dass sich Leistungsentwicklungen nicht linear zeigen, sondern vor allem im Alter von 15-20 Jahren gibt es Stagnationen, abwechselnd mit Leistungssprüngen. In dieser Saison 25/26 folgte nach der relativen Stagnation ein wahrer Leistungssprung und aus heutiger Sicht gilt Jonah Neuenschwander wieder als NHL-Erstrundenkandidat und dies mit Aussichten für die erste Hälfte in der ersten Runde.
Was zeichnet dieses Schweizer Supertalent aus?
Körperlich besticht er durch stolze 191cm und mit zunehmendem Alter wird er sicher auch noch an Muskelkraft zulegen und ich denke, dass er mit 25 Jahren so gegen 100kg auf die Waage bringen wird. Dies stempelt ihn vordergründig zum Powerforward nordamerikanischer Prägung, aber diese stattlichen physischen Werte sind nicht sein Markenzeichen. Seine beste Qualität ist sein Hockey-IQ, die Spielintelligenz und die bereits äusserst erstaunliche Reife in seinem Spiel. Wenn ich seine Aktionen verfolge, habe ich immer das Gefühl, einem 25-Jährigen zuzuschauen und dies nicht wegen seiner Körpergrösse sondern aufgrund seines hoch entwickelten Spielverständnisses und seiner Ruhe und Geduld mit dem Puck. Die Spielübersicht und die Spielmacherqualitäten sind «high end». Seine Skating-Power ist gut entwickelt mit einem langen Skating-Stride und auch seine Mobilität ist erstaunlich gut für einen Spieler mit seiner Körpergrösse. Er kann die Scheibe aus der Defense-Zone mit Leichtigkeit hinaustragen und in der offensiven Zone seine Mitspieler perfekt lancieren. Er hat das Potenzial zum Weltklasse Zweiwegcenter und für die NHL sehe ich ihn in einer Top6-Forward-Rolle, d.h. Erst- oder Zweitliniencenter.
Verbesserungspotenzial:
Er hat auch im Bereich Compete-Level zugelegt, muss sich aber betreffend Battle-Level und Puck-Battles noch verbessern, etwas an gesunder Aggressivität und Intensität zulegen. Dies, obwohl man bei derart gross gewachsenen Spielern oft dazu neigt, das diesbezüglich Gezeigte zu unterschätzen. Um als definitiver «High-End-NHL-Prospect» zu gelten erwarte ich zudem noch eine Steigerung betreffend Torgefährlichkeit. Ein Hauch mehr Opportunismus, ein Hauch mehr gesunder Egoismus und Unberechenbarkeit bei sich anbahnenden Torchanen, auch hier erhoffe ich mir noch eine Prise mehr Salz in der Suppe. Dies alles ist Kritik auf hohem Niveau. Die Eishockeyschweiz darf sich nach einer (zu) langen Durststrecke wieder einmal Hoffnung auf einen so genannten «Special Player» machen und ich freue mich immer, ihn spielen zu sehen.
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