Wer verdient sich die zwei letzten Play Off-Plätze?

11.03.2026
Aktualisiert am 11.03.2026

Text von Ueli Schwarz, Fotos: Keystone / Gian Ehrenzeller / Til Buergy / Urs Flueeler

Davos, Fribourg, Lausanne, Servette, Lugano und die ZSC-Lions sind bereits fix für die Play Off`s qualifiziert. Es fehlen noch zwei Teams um das Feld der Top 8 zu komplettieren.
Wer verdient sich die zwei letzten Play Off-Plätze ?

Mit den Play In`s beginnt nun eine kurze, attraktive Zwischenphase der Meisterschaft. Teams auf Rang sieben bis zehn der Qualifikation duellieren sich um die zwei letzten Play Off-Plätze. Der Siebte trifft auf den Achten. Der  Sieger kann sich neben den sechs Topklassierten der Regular Season das nächste Play Off-Ticket sichern. Dem Verlierer winkt eine zweite Chance. Er kann sich in einer zweiten Serie gegen den Sieger aus dem Duell des Tabellenneunten gegen den Zehnten den achten und letzten Play Off-Platz sichern. Das interessante an diesem Format: Die Play Inn`s werden in je einem Hin- und Rückspiel gespielt. Im ersten Spiel wird in jedem Fall nur über 60 Minuten gespielt, was bedeutet, dass ein Unentschieden möglich ist. Wer nach 60 Minuten im zweiten Spiel total mehr Punkte hat, geht als Sieger hervor. Sollte nach 60 Minuten im zweiten Spiel aber Punktgleichheit herrschen, gilt das sogenannte «Aggregate Score», also das zusammengezählte Resultat beider Spiele. Wer mehr Tore erzielt hat gewinnt oder bei tormässigem Gleichstand geht’s dann in die Verlängerung bis zum nächsten Tor. Jedes einzelne Tor kann also höchste Wichtigkeit haben.

Siebter gegen Achter : Lakers vs Zug

Die Rapperswil Jona Lakers gehören zu den ganz positiven Überraschungen der Saison. Vor der Saison schätzte ich die Lakers im besten Fall auf Rang acht der Regular Season ein. Als Voraussetzung dafür nannte ich, dass die Lakers besser als Ajoie, Kloten, Biel, Ambri und die SCL Tigers sein müssen. Das Team hat sich unter Cadonau/Lundskog überzeugend von der Steinmann/Hedlund-Aera emanzipiert und das geschafft. Damit aber der bestmögliche Fall eintreten konnte, waren die Sankt Galler auch darauf angewiesen, dass zusätzlich «Grosse» eine für ihre Verhältnisse schwache Saison eingezogen haben– im aktuellen Fall der SC Bern und der EV Zug. Als dritte Voraussetzung für den Best Case nannte ich das Goalieduo. Nyffeler und Punnenovs. Sie lieferten mit durchschnittlich 2.7 Gegentoren pro Spiel ab. Weiter nannte ich mindestens sechzig Ausländertore als Voraussetzung und das traf ein. Dass Schweizer Spieler wie Dünner, Lammer, Wetter und Moy auch regelmässig trafen, war erfreulich. Das Team holte fast vierzig Punkten im ersten Drittel der Regular Season und startete extrem gut in die Saison, holte sich somit früh viel Schwung und Selbstvertrauen und konnte so auch Durststrecken überstehen, ohne zur Überraschung Vieler je wirklich einzubrechen. Der ganz grosse Star war aber das Team, denn es kompensierte souverän sehr viele Verletzte. Daher sind die Lakers ein absolut verdienter, aber eben nicht selbstverständlicher Play In-Teilnehmer.

Der EV Zug hat eine sehr schwierige Regular Season hinter sich. Dass Zug es nicht in die Top 6 schaffte, muss aus Optik der Innerschweizer gemäss meiner Einschätzung vor der Saison und der Eigenwahrnehmung des Clubs als schlechtestmöglicher Fall angesehen werden. Nimmt man das Positive vorweg, so hat sich der EVZ nach einem miserablen Januar und dem damit zusammenhängenden Trainerwechsel von Liniger zu Groulx wenigstens gefangen, eine noch schlechtere Platzierung abgewendet und letztlich die Qualifikation für die zwei Chancen für die Playoffqualifikation geschafft. Positiv vermerken darf man, dass auf Grund einer unheimlichen Verletzungsserie viele junge Spieler viel Eiszeit erhielten, was kurzfristig die Leistungsstärke im Vergleich zu den besten Teams der Saison etwas beeinträchtigte, aber mittelfristig nicht schaden wird. Nicht unerwähnt bleiben darf Leonardo Genoni. Er war über sehr weite Strecken die ganz grosse Figur und bewahrte sein Team vor einer noch enttäuschenderen Klassierung. 
Wo lagen die Gründe dafür, dass der EVZ die direkte Playoffqualifikation nicht schaffte? Die Konstanz – schon unter Tangnes in den beiden vorausgegangenen Saisons ein Problem – fehlte auch dieses Jahr. Selbst massive Veränderungen bei den Ausländern ( Tatar, Sklenicka und Kubalik für Hansson, Carlsson und Olofsson ) und die Implementierung von Michael Liniger als Headcoach bewirkten diesbezüglich zu wenig. Im Gegenteil, das Problem akzentuierte sich einerseits durch die Ausfälle diverser Schlüsselspieler aber anderseits auch durch mangelnde Leistung der gesunden und übrig geblieben Leistungsträger. Das hochqualitative Kader performte mit wenigen Ausnahmen unter diesen Voraussetzungen schlicht zu wenig, um besser klassiert zu sein. Dem EVZ bietet sich nun die Chance via Play In`s gestärkt aus vielen schwierigen Momenten sich doch noch für die Play Off`s zu qualifizieren und die Saison zu retten. 

Die vier Direktduelle der beiden Teams ergaben drei Lakers-Siege ( 6:0 und 3:2 in Zug und 4:2 zu Hause ) während Zug in Rapperswil 6:2 siegte. 

Die Zuger wollen die Saison retten, die Lakers die Saison weiter veredeln. Es versteht sich, dass beide unbedingt gewinnen wollen, der Druck jedoch ist nicht der gleiche, was ich als leichten Vorteil für die Lakers betrachte. Zug anderseits hat zuletzt mit wichtigen Siegen und den wieder gesunden Verteidigern Diaz und Bentsson an Vertrauen und Stärke gewonnen und sich erfolgreich gegen einen noch tieferen Fall in der Rangliste gewehrt. Rein von der individuellen Kaderbesetzung her betrachtet, ist Zug zu favorisieren. Man darf aber das erarbeitete Selbstvertrauen und das über die ganze Saison hinweg hervorragende Teamwork der Lakers nicht unterschätzen. In Anbetracht aller Umstände und unter Berücksichtigung, dass zwei Spiele einer Kurzentscheidung wo Glück, Pech und Tagesform mitentscheidend sind, gleichkommen, ist in diesem Duell alles möglich. Das bringt mich zu einem «langweiligen" 50/50-Tip aber die Spannung ist dafür alles andere als langweilig.

Neunter gegen Zehnter: SC Bern vs EHC Biel -Bienne

Der SC Bern sicherte sich den neunten Rang drei Runden vor Schluss und konnte so den sportlichen Supergau eines vorzeitigen Saisonendes nach einer sehr schwierigen Saison abwenden. In meiner Einschätzung vor der Saison war ich einiges optimistischer als nun der Realitycheck ergibt. Ich stufte den SCB im realistischen Fall gut genug für die Top 6 ein und stufte ihn im schlechtestmöglichen Fall auf Rang sieben ein. Es kam aber noch deutlich schlechter und komplizierter heraus…Bereits nach neun Spielen und sechs Niederlagen wurde Jussi Tapola seinen Funktionen enthoben. Das Team hatte zwar eine grundsätzlich recht solide Defensivstruktur, aber mit nur gerade dreizehn erzielten Toren enorme Schwierigkeiten im offensiven Bereich. Etwas relativierend gilt es zu erwähnen, dass viele Verletzungen der Entwicklung und der Performance nicht förderlich waren. Der Wechsel zu Schöb und kurz nachher zu Ehlers konnte die Probleme nie wirklich überzeugend korrigieren. Fortan war Bern zwar defensiv noch etwas besser und abgeklärter und konnte trotz vielen skeptischen Kritikern auf zwei gute Goalies zählen. Offensiv aber blieb man fortan aber immer noch Vieles schuldig und spielte mit dieser Spielart auswärts einiges erfolgreicher als zu Hause. Die SCB Heimspiele konnten die Postfinace Arena nur selten zu Begeisterungsstürmen erwecken. Die Verletzungen zogen sich wie ein roter Faden weiter und die auf dem Papier besten (und bestentlöhnten ) Spieler konnten zu selten Spiele reissen. Die Saison war ein «Knorz» und die zusätzlichen personellen Rochaden auf und neben dem Eis waren weitere Nebengeräusche in der bislang komplizierten Saison. Freude machten hingegen die jungen Rhyn, Füllemann, Graf, Schild und Alge, die recht viel Eiszeit erhielten und das auch sehr gut machten.
Der sportliche Supergau ist abgewendet. Die Saison wird aber wohl nur befriedigend enden, wenn der Club sich mit dem Gewinn zweier Play In-Serien ins Play Off – Geschäft vorarbeitet und den Fans einen allfälligen Play Off-Leckerbissen gegen den HC Davos offeriert.

 

Der EHC Biel blickt auch auf eine eher verknorzte Saison zurück und schaffte die Play In`s erst im späten, überzeugenden Endspurt nach dem Trainerwechsel von Martin Filander zu Christian Dubé. Es ist nie schön, wenn mitten in der Saison der Trainer gewechselt wird. Die Entwicklung der Mannschaft versprach jedoch trotz viel Geduld keine Besserung, so dass der Club reagierte und Filander durch Dubé ersetzte. Das Team zeigte auch unter Filander immer wieder, was in ihm schlummert doch zu selten Die Diskrepanz zwischen sehr gut und sehr schlecht war enorm. Dazu gesellten sich eine eklatante Auswärtsschwäche und grosse Probleme im Spiel in Unterzahl. Das Team steckt im Umbruch, umso wichtiger waren die auf dem Papier besten Spieler. Während die Jungen immer wieder viel Freude bereiteten, sich sehr gut entwickelten, auch ab und zu Spiele mitentschieden haben, war die Leistungskonstanz bei den Leistungsträgern zu lange zu volatil. Auffallend – und letztlich ein Grund für das lange Zittern -waren die sehr vielen späten Gegentore, die den Club enorm viele Punkte kosteten unter anderen auch gegen den SC Bern. Dubé schaffte es, die angetönten Probleme zu beheben und das Selbstbewusstsein des Teams wurde zunehmend stärker. 
Mit der Qualifikation für die Play In`s holte Biel über alles gesehen nicht ganz das Optimum heraus. Rang 10 nach der Regular Season ist jedoch als einigermassen realistisches Resultat zu werten. Nun warten zwei Spiele gegen den Kantonsrivalen SCB auf die Seeländer. Zu verlieren gibt’s aus Bieler Sicht nicht viel, zu gewinnen hingegen schon, denn das offizielle Clubziel sind die Top 8 und diese Chance lebt mindestens noch zwei Spiele weiter.

 

Die Direktduelle zwischen Bern und Biel beinhalteten viel Rivalität und Emotionen. Bern gewann drei Mal (davon einmal in Extremis im Penaltyschiessen), während Biel das letzte für sie und ihr Selbstvertrauen sehr wichtige Spiel in Bern gewann.

Die Kurzserie verspricht viel Brisanz. Der SC Bern kann nun die Saison retten. Entsprechend motiviert und geladen wird das Team auftreten. Wie erläutert kommt auch Biel aus einer schwierigen Saison, wobei das Resultat näher an den Erwartungen war als beim Rivalen. In einer Serie «Best of two» ist für beide Teams viel möglich. Der ultimative Druck und Wille seitens SCB seinen eigenen Ansprüchen doch noch gerecht zu werden, macht ihn gefährlich. Das kann aber anderseits auch lähmende Wirkung haben, vorallem dann, wenn Biel ein erstes siegreiches Spiel gelingen sollte. Bei Biel wird entscheidend sein, ob die Qualifikation für diese Serie heissen Hunger auf mehr oder viel Erleichterung auslöst. Ist Ersteres der Fall, wird die Serie zum sehr ausgeglichen Fight, tritt eher das Zweite ein, ist der SCB zu favorisieren. Der mentale Aspekt wird also entscheidend sein. Es gilt das Gleiche wie in der Serie Zug gegen die Lakers: In Anbetracht aller Umstände und unter Berücksichtigung, dass zwei Spiele einer Kurzentscheidung wo Glück, Pech und Tagesform mitentscheidend sind, ist in diesem Duell alles möglich. Also auch hier 50/50!