Playoffs 2026 - eine Analyse aller Viertelfinal‑Serien in der NL

19.03.2026
Aktualisiert am 19.03.2026

Text von Ueli Schwarz, Fotos: zvg

Nach den hochspannenden Play In`s startet nun die «schönste Jahreszeit» für Hockeyspieler, -clubs und -fans – die Playoffs und damit der Kampf um den Schweizer Meister Titel. Um im KO-Rennen zu bleiben, muss der gleiche Gegner zuerst 4 x besiegt werden. Was war ist Makulatur, es gilt nur noch das hier und jetzt. Spannung, Emotionen, Dramen und Action sind in den Stadien und vor den Bildschirmen nun bis Ende April fast täglich Trumpf. 
Nachfolgend eine Einschätzung der vier ersten Serien:

HC Davos vs EV Zug 

Der HC Davos steigt nach einer absoluten Traumsaison, in der alles klappte und die Konkurrenz deutlich dominiert werden konnte, ins Rennen. Der Start mit neun Siegen in Serie legte den Grundstein für diesen Lauf. Eine schwächere Phase gabs nie. Nebst der sehr guten offensiven und defensiven Spielanlage überzeugte auch die Winnermentalität des Teams. Es fand fast immer einen Weg zum Sieg, obwohl es im Lauf des Spiels nicht immer wie der klare Sieger aussah.
Rein individuell ist das Team sehr stark besetzt. Mit Aeschlimann und Hollenstein verfügte der HCD über zwei der konstantesten und stärksten Torhüter, die sich ihren Job sehr gut teilten. Hollenstein verletzte sich leider schwer. Für ihn wurde kurzfristig mit Rope Taronen ein ausländischer Ersatz gefunden. Ein Abwechseln zwischen den Pfosten dürfte aber kaum stattfinden, denn das würde bedeuten, dass der Coach auf dem Feld auf einen zusätzlichen der allesamt überzeugenden ausländischen Feldspieler verzichten müsste. Mit Dahlbeck als überaus souveränem Abwehrchef, Stransky als alles überragendem Scorer , Captain und Leithammel, dem über NHL-Klasse verfügenden Zadina, mit dem Sniper Tambellini, dem pfeilschnellen und intelligenten Ryfors, dem Grinder Lemieux, dem Allrounder Asplund und Claesson verfügt der Coach über enormes Ausländer-Potential und viel Tiefe. 
Wer aber Titelambitionen hegen will, muss über Schweizer Spieler verfügen, die auch die Differenz machen können. Mit den Nationalspielern Frick ( er spielte eine extrem gute erste Saison in Davos!), Fora, Jung und dem Schweden mit Schweizer Lizenz Andersson verfügen die Bündner in der Defensive neben den soliden Gross, Guebey, Minder und Barandun über sehr viel Extraklasse im Spiel mit und ohne Puck. In der Offensive stehen mit Corvi und Knak zwei weitere Nationalspieler im Kader. Kessler, Nussbaumer und Frehner sind weitere sehr gefährliche Offensivspieler. Spieler wie Egli, Parrée. Gredig und der junge Waidacher sind wichtige und erprobte ideale Ergänzungs- und Rollenspieler. Das Team ist von GM Jan Alston bestens zusammengestellt und von den Coaches Holden, Östman, Stanley , Gaggioni/Kruse (Kondition) und Ketterer ( Goalies) hervorragend entwickelt worden. Wer Meister werden will, muss irgendwann Davos schlagen. Die einzige Gefahr: es lief alles sehr rund und ideal. Das Team musste sich nie durch wirklich schwierige, mental herausfordernde Momente kämpfen und solche kommen in den Playoffs fast immer… So gesehen startet der HCD als klarer Favorit in diese Serie gegen den EVZ, die zur Revanche der letzten Saison wird. Das Omen spricht nicht für Zug, denn letztes Jahr schied man chancenlos aus…Während Zug bereits zwei Duelle in den Beinen hat, aber natürlich beflügelt durch das Weiterkommen ist, kann der HCD ausgeruht und von den meisten Bobos geheilt ins Titelrennen einsteigen. Alles andere als eine Halbfinalqualifikation des HCD wäre aber auf Grund der gesamten Saison und den gegebenen Umständen eine grosse Überraschung.

Der EV Zug ist letztlich via Umwege und personelle Rochaden da, wo man minimal hinwollte - an in den Playoffs. Diese Kurzfassung der bisherigen Saison deutet an, dass zwar rein quantitativ, also messbar, erreicht ist, was man minimal wollte und gemessen an den Voraussetzungen in Zug auch sein musste. Die Aussage deutet aber auch an, dass Zug qualitativ nie wirklich über längere Zeit zu überzeugen vermochte und einen Weg hinter sich hat, der problematisch, unbefriedigend war und bis anhin nicht zufriedenstellen kann. Dass sogar ein Trainerwechsel nötig wurde, passt ins Bild der bisher schwierigen Saison. Man hat sich im Play In gegen die Lakers durchsetzen können und hat nun die Chance mit guten Playoffs, das Ende der Saisongeschichte so zu schreiben, dass es doch noch irgendwie zufriedenstellend endet.Das wird aber nur eintreffen, wenn man nun noch das beste Zug Version 2025/2026 sehen wird.
Was spricht dafür ? Da gilt es in allererster Linie den überragenden Leonardo Genoni zu erwähnen. Er war es, der im Endspurt der Regular Season dem EVZ Rang 8 sicherte, nachdem das Team in dieser Phase nicht wirklich performte. Er war es auch, der in der Play In Serie zweimal sehr solid spielte und da den Sieg möglich machte. Wenn man weiss, was er jeweils in den Playoffs zu leisten pflegt, dann darf man getrost die Aussage machen, dass der EVZ auf der Torhüterposition mindestens auf Augenhöhe mit jedem Konkurrenten besetzt ist. Was auch ins Gewicht fiel und weiter fallen wird, sind die beiden Rückkehrer Diaz und Bengtsson. Ihre Tanks sind noch voll, beide sind sehr erfahren und verfügen über viel Leadership und spielen im Spielaufbau und in der Überzahl wichtige Rollen. Jetzt kommt die Phase, wo auch die ausländischen Feldspieler konstant leisten müssen: Vozelinek muss seine Physis und seine Fähigkeit dem Gegner unter die Haut zu gehen nun ganz konsequent ausspielen, während die Weltklassespieler Tatar und Kubalik nun offensiv klare «Differencemakers» sein müssen. Kovar der Leithammel der letzten Jahre, muss diese Rolle nun ohne Pausen und Aussetzer wieder einnehmen. Wenn dann auch noch Sklenicka mit Leistungen an seinem persönlichen Limit spielt, dann verfügt die Abwehr mit ihm neben den beiden erwähnten Verteidigern über drei sehr starke Top-Verteidiger. Der Schwede Lilja wird wohl die Rolle des Ersatzausländers inne haben. Dann landen wir noch bei den Schweizer Spielern: da gibt es sehr viel Luft nach oben. Von Senteler, Herzog, Künzle und Hofmann darf und muss man in Zug viel erwarten. Keiner dieser vier Spieler schaut wohl bisher nur zufrieden in den Spiegel, denn ihr Potential ist höher als ihr Output, gerade auch was die Konstanz angeht… Das zeigt was eigentlich im EVZ stecken würde.
Wird’s nun offensichtlich ? Im besten Fall fordert man Davos über lange Zeit oder noch besser man gewinnt die Serie. Das käme aber einem Husarenstück gleich. Man hat mit dem HCD eine Rechnung offen, denn letztes Jahr schied man chancenlos gegen sie aus. Das kann Motivation auslösen, aber keine Garantien. Zug wird sich nur durchsetzen können, wenn die bisher offenbarten Fragezeichen weggeputzt werden und Davos den Wiederbeginn nach zwei Wochen Pause verschlafen sollte. Genoni alleine kanns nicht richten, aber er kann enorm helfen. Die Bündner waren über die ganze Saison eindeutig besser und konstanter und verfügen über ein eher noch besseres Kader. Dass man auf Davos trifft, ist für den EVZ eine ganz schwierige Aufgabe und nun halt die Quittung der bisherigen Saison. Ein Out im Viertelfinal ist durchaus denkbar, aber im Fall des EVZ darf es unter solchen Voraussetzungen und Möglichkeiten nicht sang- und klanglos sein, denn das wäre die nächste herbe Enttäuschung in dieser Saison.

HC Fribourg Gottéron vs SC Rapperswil-Jona Lakers 

Der HC Fribourg-Gottéron hat eine sehr solide Regular Season gespielt und wurde hinter Davos klarer Zweiter in der Rangliste. Ich erwartete Fribourg in den Top 6, aber der 2. Platz – und vorallem der Vorsprung auf die nächsten Verfolger -hat meine höchsten Erwartungen übertroffen. Der allgegenwärtige verbale Rönnberg-Rummel der Zeit, bevor der Startrainer überhaupt zu arbeiten begann, ist wohltuend sehr zielgerichteter und erfolgreicher Arbeit gewichen. In diesem Sinne haben Team und Coaches toll abgeliefert. Berra spielte etwas weniger als auch schon, blieb aber unbestritten die Nummer 1 und zeigte in seiner letzten Regular Season in Fribourg ein deutliches «Letztes Hurra» mit ausgezeichneten Leistungen. Auch Galley machte Fortschritte und war, wenn es ihn brauchte zuverlässig gut. Sehr gut gefallen hat mir die Abwehr. Nemeth und Kapla waren beide sehr solid, Glauser lieferte gewohnt sehr stark ab, Rathgeb wirkte so diszipliniert wie selten zuvor in seiner Karriere, Streule hat sich zu einem Top Verteidiger entwickelt, Ludwig Johnson ist defensiv noch nicht ganz fehlerfrei, aber offensiv mit sehr viele Glanzmomenten aufgefallen, Jeker und Seiler ergänzen die Abwehr zudem perfekt. Mit dem Finnen Arola hat man zudem wichtige und nötige Tiefe für den Fall von Ausfällen.
Fribourgs Offensive war lange sehr stark von Sörensen und Wallmark getragen. Beide hatten längere Ausfälle zu beklagen und waren nicht ganz so dominant. Dass Gottéron sich davon so gut emanzipierte, spricht für die Coaches und das Team. Sehr solid spielte erneut DeLaRose. Er war nicht nur defensiv eine Bank, sondern setzte auch offensiv Akzente. Der neue Borgström war mit 39 Punkten bester Scorer des Teams und ebenfalls eine wichtige Stütze. Lange lies sich GM Zenhäusern trotz teilweise lauten Forderungen von ausserhalb Zeit, sein Ausländer-Sextett zu ergänzen. Mit den Stürmern Rau und Rattie und zuletzt Arola verfügen die Coaches nun fast inflationär über die Qual der Wahl beim ausländischen Personal , wen sie jeweils einsetzen wollen. Es gab im Kader aber nebst den bereits erwähnten Verteidigern auch Schweizer Stürmer mit einer sehr guten Regular Season: Schmid, Bertschy, Biasca, Walser und der unverwüstliche Sprunger prägten das Spiel auffallend. Der definitive verletzungsbedingte Ausfall von Sandro Schmid ist ein grosser Rückschlag für das Team. Ein erfolgreiches Team braucht aber auch dankbare, demütige und zuverlässige Rollenspieler und die hatte Fribourg mit Marchon, Nicolet und den jungen Dorthe, Etter, Reber, Gerber und Rod zur Genüge. Sie werden nun noch wichtiger. Dass Fribourg Regular Season kann, hat es in der vergangenheit schon oft bewiesen, dass es aber Playoff kann deutlich weniger. Der gestrenge, erfolgsgetriebene Rönnberg steht nun vor der Beweiserbringung, dass er mit seinem Top Kader auch in KO-Spielen überzeugend auftreten kann. Nun gibt’s aber plötzlich auch Unruhe um den Verein. Offenbar ist das Tuch zwischen dem gestrengen Rönnberg und dem einen oder anderen Spieler zerschnitten und gewisse Unzufriedenheiten zirkulieren. Mit den verletzten Schlüsselspielern und den unzufriedenen Spielern zeichnen sich Probleme am Horizont ab, die das Team bislang noch nicht kannte. Sie müssen zuerst mal überwunden werden. Das gehört aber dazu, wenn man Playoff-Geschichte schreiben will. Es gilt zu beweisen, dass Coach und Team das eben auch können. Fribourg hat heuer Möglichkeiten wie seit der Bykov/Chomutov-Aera nie mehr – ich bin geneigt zu sagen, wenn man nicht jetzt mindestens in den Final kommt, wann dann ?
Die Regular Season lässt mich trotzdem und natürlich den ganzen Kanton Freiburg zum Start mal positiv denken. Aber schauen wir besser noch nicht zu weit und bemühen aus Fribourg Sicht die Floskel Spiel um Spiel. Die Lakers mussten ihren Tank schon ziemlich anzapfen, aber ihr Kopf ist voller Vertrauen. Trotzdem wäre für Fribourg im ersten Schritt alles andere als die Halbfinalqualifikation eine grosse Enttäuschung und würde den einmal mehr hochgehenden Emotionen und immensen Investitionen ins Team einen herben Dämpfer versetzen. Die Favoritenrolle in dieser Serie liegt daher für mich auf der Seite der Saanestädter, trotz aufziehender Wolken und sehr positiv überraschenden Lakers. Wie weit das dann letztlich später reichen würde, steht in den Sternen.

 

Die Rapperswil-Jona Lakers überzeugten nicht nur in der Regular Season, sondern nun auch mit dem diskussionslosen und verdienten Gewinn der Play-In-Serie gegen den SC Bern. Wie schon die ganze Saison beeindruckte die mannschaftliche Geschlossenheit. Das Team wirkte sehr stilsicher, vorab defensiv. In der Regular Season war für mich das Team der grosse Star. Diese Feststellung hat sich nun noch mehr zementiert. Man hängt nicht immer von Ausländern oder Schweizer Stars ab. Klar müssen auch bei den Lakers die Besten die Besten sein, aber sie sind es vorallem, weil sie ganz wichtige Rollen im Kollektiv ausfüllen und dann darauf aufbauend eben auch immer wieder erfolgreich sein können. Im Spiel der Lakers ist so eben immer wieder jemand da, der dann Entscheidendes schafft. Erfreulicherweise eben auch Schweizer! Beim Betrachten und Beobachten stellt man fest, dass jeder ungeachtet der Grösse der Buchstaben seines Namens und der Länge der persönlichen Karrierestories wo auch immer auf der Welt an Bord ist. Jeder – sei es mit oder ohne Scheibe – macht zuverlässig, was abgesprochen ist. Diese Konstanz, Einordnung und Zuverlässigkeit lässt die Spieler sehr rasch situativ ohne jedes Zögern agieren, weil sie sich aufeinander verlassen können. Das gefällt und beeindruckt. Wenn das Team dann mit Nyffeler einen guten Torhüter im Kasten weiss, der in den letzten drei Play-In-Spielen nur je ein Tor kassierte, funktioniert ein weiterer ganz zentraler Baustein bei den Sank Gallern. Ein starkes Duo war eines der Markenzeichen der Lakers über Monate. Spannend wird nun sein, ob man nun in den Play Off`s wieder auf ein Duo setzen wird oder ob Nyffeler nun gesetzt wird. Es versteht sich, dass man in Rapperswil nun ehrgeizig nächste Glanzpunkte setzen will. Ich erachte es aber als Vorteil, dass man ab nun einfach noch ganz viel gewinnen und eine schon so sehr gute Saison weiter veredeln kann. Ein zweiter Punkt der für die Lakers sprechen kann, ist ihr Rhythmus. Der Gegner ist zwar sicher erholt und hat physisch einen kleinen Vorteil, aber die zwei Wochen Pause waren für Fribourg auf Grund des Schmid Ausfalls, der andauernden Rekonvaleszenz Sörensens und gewisser teaminterner Unruhen nicht nur einfach. Kommt hinzu, dass der Druck ganz klar bei Fribourg liegt. Das, weil die Saison noch besser war als diejenige der Lakers, weil enorm ins Team investiert wurde, weil alles andere als ein Weiterkommen bis in den Final nach eindeutig dahingehenden clubinternen Aussagen einem Scheitern gleichkommen würde. Während Fribourg eindeutig und ultimativ muss, müssen die Lakers zwar auch, aber mit dem grossen Unterschied, dass man ihre Saison selbst bei einer Niederlage in dieser Serie als hervorragend einstufen und in Erinnerung halten wird. Das könnte man bei Freiburg hingegen ganz und gar nicht, im Gegenteil man würde ganz andere Bewertungsattribute artikulieren und für ganz Hockeyfans den Ruf als Team, das nicht Meister werden kann, zementieren. Die Saanestädter verfügen nach dem guten zweiten Rang in der Qualifikation über ein gestärktes Vertrauen in ihr Spiel, über ganz andere wirtschaftliche Voraussetzungen und auf dem Papier sicherlich auch über mehr Klasse im Kader. Das macht sie nach menschlichem Ermessen zum Favoriten in dieser Serie.

 

ZSC Lions vs HC Lugano
Die ZSC Lions waren nach zwei Titeln in Folge lange nicht wirklich meisterlich unterwegs. Sie schlitterten vor Weihnachten gar in eine für ihre Verhältnisse ungewohnte Niederlagenserie und fielen gar aus den Top 6. Von aussen schien deswegen die Aufregung und Verwunderung grösser zu sein als intern. Man bewahrte intern stets die Ruhe, glaubte an die Problemlösungen und ans Personal und das hat sich gegen Ende der Regular Season als absolut richtig herausgestellt. Mir scheint, dass diese Mühen eventuell sogar als Steigbügelhalter dienten, denn das Team hat sich ab Januar deutlich stabilisiert und letztlich Rang drei geholt. Das Prunkstück war die Defensive, die auch in Anbetracht der hervorragenden Besetzung gerade auch in den schwierigen Tagen stets solid blieb. Die offensive Effizienz, inklusive dem Powerplay hinkte aber eher hinterher. Betrachtet man das ZSC-Kader steigen diesbezüglich die Erwartungen rasch in höhere Sphären. Solange man so wenig Tore kassiert wie die ZSC Lions, braucht es eben offensiv nicht jeden Abend ein Feuerwerk. Der überragende Hrubec, Lehtonen, Weber, Kukan, Marti, Geering, Trutmann wissen ganz genau, dass Defensive meistens Playoffs gewinnt. Wenn Grant, Malgin, Andrighetto, der wichtige Last Minute Rückkehrer Lammikko, der noch mit Ladehemmungen kämpfende Rohrer, Fröden, Hollenstein und Balcers ihren offensiven Touch finden, wird der ZSC für alle Teams ein ganz harter Brocken sein…wenn! Nebst so vielen «Difference-Makern» sind Schwendeler, Ustinkov, Riedi, Sigrist, Bächler, Baltisberger, Gruber, Schreiber, Olsson und Sundström im Edelkader hochkarätige Rollenspieler, die durchaus auch die Differenz machen können. Die Lions gehören somit selbstredend zu den grössten Titelfavoriten. Sie werden nun aber von Lugano hart gefordert sein. Ihr Selbstbewusstsein, ihre Erfahrung und ihre schier unendliche Kadertiefe machen sie im Duell mit Lugano zum Favoriten. Aber Vorsicht – der Gegner spielt solid und das Abliefern defensiv und offensiv muss nun sofort jede Nacht erfolgen. Ich erwarte die ZSC Lions im Halbfinal, aber nach harter Gegenwehr.

Der HC Lugano hat mich aus drei Gründen überzeugt. Erstens, weil die Tessiner auf Rang 5 in der Rangliste im Vergleich zum Vorjahr um acht (!) Plätze, mit heuer 89 Punkten um ganze 23 Punkte, mit 150 erzielten Toren um 13 Tore und mit 120 um 40 (!) Gegentore besser da stehen als vor Jahresfrist! Das ist eine unglaubliche Steigerung, die viel Respekt verdient. Zweitens beeindruckte mich, dass dies möglich wurde, nachdem das Team mit 8 (!) Niederlagen aus den ersten 10 Spielen denkbar schwach startete. Wer sich so aus einem Loch herausarbeitet und steigert ,verdient ebenfalls enormen Respekt. Drittens gefällt mir die sehr strukturierte, aber durchaus attraktive Spielweise unter dem neuen Coaching Staff Mitell, Hedlund, Morini, Laakso(Kondition) und Ore (Torhüter).Ich tippte sie im allerbesten Fall knapp in die Top 6 nun sind sie als Fünfter sehr souverän da gelandet. Nebst dem Coaching Staff darf sich auch GM Steinmann eine dicke Scheibe dieser erfolgreichen Entwicklung abschneiden. Er hat zahlreiche, ausgezeichnete Personalentscheidungen auf dem Eis und an der Bande getroffen und viel frischen, neuen Wind in die Resega gebracht, so dass das schlummernde Potential endlich wieder einmal ausgeschöpft wurde. Lugano verfügte mit Schlegel / VanPottelberghe über ein sehr gutes Goaltending. Davor spielten Carrick, Dahlström, Alatalo, Aebischer, Brian Zanetti, Mirco Müller und Jesper Peltonen sehr solid und bildeten defensiv eine starke, sehr gut organisierte Einheit. In der Offensive war man mit Ausnahme des enorm starken Sanford eher weniger auf die Scoringwerte der anderen Ausländer Kupari (der Neuzugang fiel fast die ganze Saison verletzt aus), Sekac, Perlini, Emanuelsson und Vlak angewiesen. Das zeigte sich auch darin, dass der neue Mann Sgarbossa trotz vieler Vorschussloorbeeren zum SCB abgeschoben wurde…Die Ausländer waren allesamt in erster Linie perfekte Teamspieler und nicht auf dem Papier grosse «Zauberkünstler» wie jahrelang viele ihrer Vorgänger. Als man viele Verletzte hatte, holte man vorübergehend mit Omark einen solchen. Just in dieser Zeit fing sich Lugano und perfektionierte sein Spiel. Als er im Herbst in die Heimat zurückkehrte war der Zug am Rollen und sein Abgang war nicht spürbar. Kein Vorwurf an ihn, sondern ein Kompliment ans Team! Es gibt im Kader aber auch Schweizer, die sehr gut performten: Fazzini traf regelmässig, Thürkauf war der gewohnte Motor und Scorer, Simion der Sniper und Canonica schaffte in deren Sog eine sehr gute Saison mit 13 Toren. Wie in jedem Team verfügte auch Lugano über sehr gute, sehr gut implementierte Rollenspieler wie Morini, Alexsi Peltonen, Tanner und MarcoZanetti. Deshalb beeindruckte Lugano nicht nur mich, sondern viele Aussenstehende und auch die Ligakonkurrenz. Mit dem ZSC bekommen die Tessiner einen harten Brocken vorgesetzt. Nimmt man jedoch die gezeigten Leistungen als Massstab, dann kann Lugano trotz drei Niederlagen in den Direktbegegnungen den ZSC fordern. Ich erwarte eine harte Serie, vorallem dann, wenn Lugano die Serie zu Beginn mindestens ausgeglichen halten kann. Weil die Tessiner aber über die letzten Jahre betrachtet von weit her kommen und sich nun erstmals wieder gefestigt in den Playoffs bewähren müssen, sehe ich die abgebrühten, playoffgestählten Zürcher dennoch im Vorteil. Eine Halbfinalqualifikation war das traumhafte Non plus Ultra für die Bianconeri. 

 
HC Genève Servette vs Lausanne HC
Was ist vom HC Genève Servette zu halten ? Ich bin gespalten. Rang drei ist auch gemessen an den beiden letzten Jahren ein grosser Fortschritt. Ist das positiv zu bewerten? Einerseits ja, anderseits haben die Genfer einfach seit Langem endlich auf der Höhe ihres Potentials gespielt. Ich bin sehr gespalten was die Einschätzung der Grenats anbelangt. Wer in einer Saison mal 0:11 oder 0:8 verliert, anderseits aber auch 7:0 oder 6:0 gewinnt, liefert ein seltsames Bild ab. Ich sah ein Team mit einer alles überragenden ersten Linie mit Granlund, Manninen und Puljujärvi, mit einem Vesey, mit dem starken Goalie Charlin und mit einer sehr gut besetzten Stammverteidigung (Saarijärvi, Ruuta, dem wiedererwachten und überzeugenden LeCoultre, dem Olympioniken Berni, Karrer, Chanton, dazu Sutter und Schneller als Ergänzungen). Das gehört mitunter zum Besten in der Liga, wenn denn die Lust und die Einstellung stimmen. Es ist eigentlich eher ein komisches Zeichen wenn man dieses «wenn» anfügen muss. In den Playoffs werden Stars oft neutralisiert und nicht selten spielen die anderen Spieler eine entscheidende Rolle. Wer sind die anderen Genfer und wer von ihnen hat in der Regular Season wirklich überzeugt ? In meinen Augen eigentlich nur der Senkrechtstarter Simas Ignatavicius und andeutungsweise Tim Bozon. Mit Tanner Richard fehlte ein Top Stürmer das ganze Jahr und die restlichen Spieler haben wohl allesamt nicht konstant oder knapp auf ihrem besten Level performt. Was mich relativ erstaunt ist die Politik mit den Ausländern. Wieso? Mit dem NHL-Saurier Derek Brassard wurde zwar ein siebter Ausländer geholt, aber erstens spielte der seit langem nicht mehr und zweites hat er sich sofort wieder verletzt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er für die Playoffs unter solchen Umständen eine Valable ist. In Anbetracht der bisherigen extremen Abhängigkeit von den Top 6-Ausländern im Team scheint es schon erstaunlich und gewagt, dass der Club vor Transferschluss nicht noch einmal aktiv wurde.
Wenn sich die Top Spieler nicht neutralisieren lassen, gesund bleiben, die zweite Hälfte des Kaders sich nun steigert und Charlin fit bleibt, kann Genf sehr gefährlich werden, denn in ihrer Garderobe gibt’s ausser der Kadertiefe bei den Ausländern sehr viel, was es braucht um erfolgreiche Playoffs zu bestreiten. Die Formkurve zuletzt zeigte im Gegensatz zu Lausanne eher aufwärts. Hätte ich den Ausgang der Serie an Weihnachten einschätzen dürfen, hätte ich eher auf Lausanne gesetzt. Nun hat Genf Heimvorteil und das ist nicht zu unterschätzen. Les Vernets ist für alle schwierig und es würde nicht überraschen, wenn das letzte Spiel der Serie dort stattfinden würde und so Genf eine Runde weiterbringt. Für mich hat Genf die Nase leicht vorne vorausgesetzt, die «wenns» treffen ein. 

Der Lausanne HC hinterliess in der ersten Saisonhälfte einen deutlich besseren Eindruck als in der zweiten…zuletzt musste man gar noch etwas bangen, um mit diesen Top Kader die Top 6 zu erreichen. Noch an Weihnachten war ich felsenfest davon überzeugt, dass Lausanne zu den Titelaspiranten gehört. Jetzt vor den Playoffs haben sich Zweifel eingenistet. Glaubte ich anfangs, dass das Abwechseln in Tor zwischen Hughes und Pasche beide zu Höchstleistungen antreiben würde, muss ich nun feststellen, dass zwar weiter gewechselt wurde, die Leistungen jedoch stagnierten, wenn nicht sogar etwas nachgelassen haben. Die Waadtländer bauten auf diese Saison hin fast ihre komplette Verteidigung um und verloren Frick, Glauser, Genazzi, Skelnicka und Bayreuther. Mir schien das eine schiere «Operation am offenen Herzen» zu sein. In der ersten Hälfte der Qualifikation straften mich der Spektakelverteidiger Brännström, Niku, Baragano und Sansonnens, sowie die übrig gebliebenen letztjährigen Verteidiger Lügen und sie spielten sehr kompakt und auch offensiv brandgefährlich.In der zweiten Hälfte hingegen kamen meine Zweifel wieder vermehrt auf. Will Lausanne nach zwei Finals wieder Playoffgeschichte schreiben, müssen die Verteidigung und die Torhüter nun aber ihr bestes Level abrufen.Die Waadtländer verfügen mit Czarnik, Suomela, Caggiula, Oksanen, Kahun über fünf sehr starke ausländische Offensivkräfte. Sie können auf dem Level der Genfer Paradelinie agieren. Ergo muss auch hier ein Blick auf die restlichen, sprich Schweizer Spieler geworfen werden. Ich sehe da im Vergleich zum Gegner die Vorteile eher in der Vaudoise Arena. Rochette, Riat, Fuchs und Jäger gehören zur Ligaspitzenklasse und das hatte der Gegner Servette bislang nicht. Mit Bougro, Zehnder, Prassl, Hügli, Holdener und Douay verfügen die Waadtländer über eine solide Tiefe und demütige Rollenspieler, die alle im Playoff schon mal über sich hinauswachsen konnten. Lausanne braucht vier Dinge um in die Halbfinals zu kommen: mindestens gleich gute Goalies wie es Charlin sein wird, es muss die Genfer Paradelinie neutralisieren, die «zweite» Hälfte des Kaders muss besser sein als diejenige des Gegners und man muss in Genf mindestens einen Sieg holen können. Die Hürde ist somit sehr hoch. Die Erwartungen in Lausanne auf Grund der enormen Mittel die dem Club zur Verfügung stehen und nach den beiden Finalteilnahmen berechtigterweise ebenfalls. Der zwiespältige Eindruck seit einigen Wochen lässt mich Lausanne eher in der Aussenseiterrolle sehen. Für mich kann nur ein Auswärtssieg in Spiel 1 oder 3 und ein gewonnenes Heimspiel am Spieltag 2 daran etwas ändern.