
Text von Thomas Roost, Fotos: IIHF
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Im Viertelfinal war Endstation, wie immer in den letzten Jahren. Die Relegationsrunden oder gar der Abstieg wurde vermieden, wie fast immer in den letzten Jahren. Das Was war erwartungsgemäss, das Wie positiv überraschend.

Credits: Tim Austen / IIHF
Die Resultate gegen Schweden (2-4), USA (1-2), Deutschland (4-0), die Slowakei (3-2) und Tschechien (2-6) entsprachen den Erwartungen. Einmal mehr resultierten gegen Top-6-Nationen nur Niederlagen – und dies auch während der Gruppenphase, in der die Topnationen noch nicht auf allen Zylindern laufen.
Die Spiele gegen Schweden und die USA waren durchaus ansehnlich. Nur wenig hat zu einem Punktgewinn gefehlt. Diesen Punktgewinn haben erneut die Letten geschafft, und dies gegen Kanada. Im letzten Jahr gelang den Letten sogar ein Sieg gegen Kanada. Das heißt: Bei allem Respekt vor unseren guten Leistungen gegen die USA und Schweden, ein Punktgewinn war leider Fehlanzeige – wiederum mussten die Letten die Ehre der „Kleinen“ retten.
Trotzdem zolle ich dem Team von Jan Cadieux einiges an Respekt, denn auf dem Papier hatte er es mit Spielern zu tun, die im internationalen Talentvergleich mit den Topnationen keinen hohen Stellenwert genießen. Trotzdem war unser Team kompetitiv und hat in jedem Spiel einige gute Phasen aufs Eis gebracht.
Der Sieg gegen die in diesem Jahr schwach besetzten Deutschen war sehr souverän, und auch im 50-50-Spiel gegen die Slowakei gab es einen Sieg. Im Viertelfinal gegen die Tschechen wurde uns einmal mehr aufgezeigt, wo unsere Grenzen liegen. Die Tschechen waren wie fast immer gegen uns körperlich überlegen, aber auch stocktechnisch hatten sie spürbar mehr zu bieten, und betreffend Skatingspeed waren sie mindestens ebenbürtig. Zudem standen sie stabiler auf den Schlittschuhen als unsere Jungs.
Vor allem stocktechnisch – betreffend Pass- und Schussqualität sowie die Qualität der Körpertäuschungen – ortete ich seit fast Jahrzehnten ein Qualitätsdefizit unserer Junioren im Weltklassevergleich.
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Credits: Tim Austen / IIHF
Respekt vor der Leistung des Teams und der Coaches; da gibt es nichts auszusetzen. Sie haben ein gutes, solides Turnier gespielt.
Von den Schweizer Spielern hat mich „hard working“ Mike Aeschlimann beeindruckt. Ich kenne ihn als Scoring-Talent, er hat mir aber in diesem Turnier weitere Facetten seiner Visitenkarte gezeigt. Auch Defensiv-Verteidiger Sansonnens hat mit seinen steten Fortschritten überzeugt. Wenn er sich weiter so entwickelt, dann landet er am Ende sogar noch als Nr. 5- oder Nr. 6-Defender in einem NHL-Team. Seine defensive „Awareness“ wie auch seine physische Präsenz mit seinen langen Hebeln sind gute Waffen in seinem Arsenal.
Jonah Neuenschwander hat vor allem im Viertelfinal gegen Tschechien angedeutet, welches Potenzial in ihm steckt. Lars Steiner, unsere Drafthoffnung für den NHL-Draft 2026, hat die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen können. Er braucht jetzt einen sehr guten zweiten Saisonteil in der QMJHL, um seinen Sommerstatus als möglichen Late Firstround-Pick wieder erlangen zu können.
Noch etwas aus der Gerüchtefront: Es zeichnet sich ab, dass der Bann gegen die russischen sowie belarussischen Junioren aufgehoben werden dürfte. Falls dies stimmt, würden sie bei der U20- wie auch bei der U18-WM in die Topdivision zurückkehren.
Was bedeutet dieses Szenario für die Schweiz? Für unsere U20-Junioren wird der Einzug in die Viertelfinals wieder deutlich schwieriger, und bei einem schlechten Jahrgang muss auch mit einem möglichen Abstieg gerechnet werden. Bei den U18-Junioren schaut es zappendüster aus, denn es scheint so zu sein, dass es in diesem Jahr aus der zweiten Division keinen Aufsteiger geben wird.
Wir erinnern uns nur ungern, aber es ist leider Tatsache, dass wir bei der letzten U18-WM abgestiegen sind. Beim Szenario „Russland und Belarus sind zurück“ wird uns auch ein Turniersieg nicht den Wiederaufstieg bringen. Keine schönen Aussichten für unsere Junioren, aber wie gesagt: Dies sind erst Gerüchte und noch keine Beschlüsse.
DIE VOLLE LADUNG EISHOCKEY!
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