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Artikel - Win-Win Situationen bei Vertragsverlängerungen

In der neusten Kolumne von Thomas Roost werden die Vertragsverlängerungen von J.T. Miller bei den Vancouver Canucks und Tim Stützle bei den Ottawa Senators genauer unter die Lupe genommen.

In dieser Woche gaben in der NHL vor allem zwei Vertragsverlängerungen zu reden:

Das Geld:

J.T. Miller, Vancouver Canucks, Forward, 29-jährig, hat in den letzten 3 Saisons konstant ca. 1 Scorerpunkt pro Spiel gebucht und ist aktuell vermutlich der beste Spieler bei den Vancouver Canucks. Miller hat für 7 Jahre unterschrieben und bekommt US$ 8.0 Mio pro Jahr.

Der Deutsche Tim Stützle, Ottawa Senators, Forward, 20-jährig, hat in seinen ersten beiden Saisons 0.54 und 0.73 Scorerpunkte im Durchschnitt gebucht. Er gilt aktuell als das grösste Talent in der Ottawa Senators Talent-Pipeline. Stützle hat für 8 Jahre unterschrieben und bekommt US$ 8.35 Mio pro Jahr. 

Der Geist:

Wieso bezahlen die Ottawa Senators einem Jungen - der vorerst «nur» als grosses Talent geadelt ist - mehr Geld als die Vancouver Canucks ihrem aktuellen Top-Spieler? Auf den ersten Blick ist dies unsinnig und es scheint so, dass J.T. Miller für zu wenig und Tim Stützle für zu viel Geld unterschrieben hat. Bei vertiefter Betrachtung schaut dies aber ziemlich deutlich anders aus.

Die Vancouver Canucks und J.T. Miller:

Seit Monaten wird in Vancouver fabuliert, dass es im Team markante Umwälzungen geben wird. Trades von Brock Boeser und J.T. Miller schienen nur eine Frage der Zeit zu sein und die Fachjournalisten überboten sich fast täglich mit Spekulationen zu welchen Teams und zu welchem Gegenwert Boeser und Miller wechseln könnten.

Die Canucks Teppichetage hat ihren markigen Worten offensichtlich keine Taten folgen lassen und uns Experten völlig überrascht. Nachdem der Vertrag mit Brock Boeser verlängert werden konnte, haben die Canucks mit J.T. Miller nachgedoppelt und es scheint so, dass die Canucks-Ausgabe 22/23 den Stempel «Kontinuität» aufgedruckt erhalten wird und sich das «Geschwätz betreffend markante Umwälzungen» als warme Luft von gestern herausstellt, denn auch die Vertragsverlängerung mit Captain Bo Horvat scheint auf gutem Weg zu sein.

Zurück zu J.T. Miller: Es ist ein smarter Deal, denn erstens «frisst» er aus Sicht der Canucks nicht allzu viel Cap-Space weg und macht J.T. Miller auch nicht «untradebar». Aus Sicht von J.T. Miller ist der Deal vorteilhaft, weil er auch noch deutlich nach seiner «Primetime», d.h. auch noch im Alter von 36 und 37 Jahren, 8 Mio p.a. kassiert, denn der neue Vertrag beginnt erst ab der Saison 23/24 zu laufen. Ich meine, dieser Deal ist für die Canucks wie auch für Miller eine Win-Win-Situation. 

Die Ottawa Senators und Tim Stützle:

Ein spannender «Gamble», bei dem ich aber für die Senators mindestens so viel Chancen- wie auch Risikopotenzial zu erkennen meine. Tim Stützle gilt als sehr grosses Talent und die Mehrheitsmeinung unter Experten ist es, dass er ein NHL-Star werden wird. Superstarstatus ist noch fraglich, aber Star alleweil. Die Senators selbst kennen Tim Stützle am allerbesten – er spielt ja bereits seit zwei Jahren in Ottawa - die Senators können darum sein Leistungspotenzial am besten einschätzen, d.h. das Risiko der falschen potenzialeinschätzung ist minimiert.

Stützle für 8.3 Mio pro Jahr ist vermutlich in den ersten beiden Vertragsjahren überbezahlt, aber in den Vertragsjahren 3-8 schaut es vermutlich anders aus. 8.3 Mio für einen Starstürmer ist – Stand heute – ein gutes, normales Salär. Die NHL erwartet aufgrund des guten Geschäftsganges bereits für die nächste Saison eine Erhöhung des Salary Caps und dies auch für die kommenden Jahre. Falls dies wie erwartet eintrifft, wird sich Stützles Salär in den Vertragsjahren 3-8 als relatives Schnäppchen erweisen, denn bis dann werden Starspieler kaum unter 9-10 Mio p.a. zu haben sein und Superstars nicht unter 12-13 Mio. Auch hier orte ich eine Art Win-Win-Situation für beide Parteien. 

Zwei sehr spannende Vertragsverlängerungen, denen von beiden Parteien zahlreiche Ueberlegungen vorangingen und die schliesslich in Deals mündeten, die für mich gut nachvollziehbar sind. 

  


Thomas Roost

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah.  Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.

https://www.thomasroost.com I Twitter: @thomasroost

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