NHL‑Goalies: Wie wichtig sind teure Torhüter wirklich?

11.05.2026
Aktualisiert am 11.05.2026

Text von Thomas Roost, Fotos zvg/NHL

 

Die ewige Goaliediskussion

Die allerwichtigste Erkenntnis: Ohne eine mindestens mittelmässige Goalieleistung gewinnst du kein kompetitives Spiel. D.h. die Goalieleistung ist stark mitentscheidend betreffend den Erfolg oder Misserfolg in einem Spiel. In Diskussionen stelle ich fest, dass gefühlt ca. 90% der Fans sowie gefühlt ca. 75% der hiesigen Medienschaffenden die Goalieposition als die wichtigste im Eishockey betrachten und bei der Zusammenstellung einer neuen Mannschaft «auf der grünen Wiese», einen grossen Teil des Budgets für einen Topgoalie ausgeben würden. Bei den «Experten» erkenne ich nicht ganz dasselbe Bild. Europäische Experten teilen zu ca. 50% die Meinung der Fans und bei den nordamerikanischen Experten noch immerhin ca. 30-40%.  

Die Fragen die ich stelle, sind die folgenden: Von welchem Goalie erhalte ich wann welche Leistung abgeliefert? Wie viel soll ich vom Gesamtbudget für die Goalieposition ausgeben?

Zuerst einige Fakten, d.h. nachfolgend die Rangliste der teuersten Goalies in der NHL plus eine Qualitätsrangliste der Goalies.


Die teuersten Goalies in der NHL

Top 16 gemäss Gehalt p.a. (Cap Hits 2025/26):

Igor Shesterkin (New York Rangers) – $11.50 Mio  

Sergei Bobrovsky (Florida Panthers) – $10.00 Mio  

Andrei Vasilevskiy (Tampa Bay Lightning) – $9.50 Mio

Connor Hellebuyck (Winnipeg Jets) – $8.50 Mio

Thatcher Demko (Vancouver Canucks) – $8.50 Mio

Jeremy Swayman (Boston Bruins), $8.25 Mio

Jake Oettinger (Dallas Stars), $8.25 Mio

Ilya Sorokin (New York Islanders) $8,25 Mio

Linus Ullmark (Ottawa Senators) – $8.25 Mio

Juuse Saros (Nashville Predators) – $7.74 Mio

Dustin Wolf (Calgary Flames) $7.50 Mio

Lukas Dostal (Anaheim Ducks) $6.50 Mio

John Gibson (Detroit Red Wings) $6.40 Mio

Adin Hill (Vegas Golden Knights) $6.25 Mio

Jordan Binnington, St. Louis Blues $6.00 Mio  

Jacob Markstrom New Jersey Devils $6.00 Mio

 

Expertenmeinung Top 15 vor Beginn der Playoffs 2026

Das sind die besten Goalies der NHL:

Connor Hellebuyck, Winnipeg Jets

Igor Shesterkin, New York Rangers

Andrei Vasilevskiy, Tampa Bay Lightning  

Ilya Sorokin, New York Islanders

Jake Oettinger, Dallas Stars

Sergei Bobrovsky, Florida Panthers

Logan Thompson, Washington Capitals

Jeremy Swayman, Boston Bruins

Juuse Saros, Nashville Predators

Jordan Binnington, St. Louis Blues

Karel Vejmelka, Utah Mammuth

Mackenzie Blackwood, Colorado Avalanche

Filip Gustavsson, Minnesota Wild

Joel Hofer, St. Louis Blues

Linus Ullmark, Ottawa Senators


Hierzu eine höchst interessante Feststellung: Ausser Lukas Dostal von den Anaheim Ducks ist kein einziger der bestbezahlten und bestbewerteten Goalies in der zweiten Playoffrunde zu finden. Alle Teams mit den teuersten und/oder besten Goalies haben sich gar nicht erst für die Playoffs qualifiziert oder sind in der ersten Playoffrunde gescheitert! Ok, Mackenzie Blackwood, Colorado Avalanche und Filip Gustavsson, Minnesota Wild sind beide noch mit dabei, aber beide sind in den Playoffs bisher nur «Backups», resp. Ersatzgoalies.

Schlussfolgerung

Ein Teil dieser Fakten ist vermutlich Zufall, aber das Resultat in dieser Deutlichkeit kann nicht negiert werden und wird in den Chefetagen ziemlich hohe Wellen schlagen. Es unterstützt meine (noch) nicht mehrheitsfähige Meinung, dass es falsch ist, für die Goalies viel Geld auszugeben, denn Goalieleistungen sind deutlich volatiler und unberechenbarer als die Leistungen von Skatern. Frederik Andersen, der aktuelle No.1-Goalie der Carolina Hurricanes, hatte in der Regular Season eine Statistik von 87.4% Savepercentage und jetzt in den Playoffs 95.7%, die grösste je gemessene Differenz zwischen Regular Season und Playoffs. Nicht zu vergessen: Andersen spielte und spielt während der Regular Season im Vergleich zu den Playoffs im selben Team, mit denselben Vordermännern sowie im gleichen System und dem gleichen Coach, im Durchschnitt aber gegen bessere Teams (nur ebenfalls für die Playoffs qualifizierte Teams). Ok, der Playoff-Sample-Size ist mit erst 7 Spielen noch gering, aber trotzdem…

Ich denke, dass die Colorado Avalanche und die Carolina Hurricanes bis jetzt den stärksten Eindruck hinterlassen in den Playoffs (Stand 8. Mai 2026). Die Payroll für die Goalies dieser beiden Franchises lautet wie folgt:

Carolina Hurricanes: Ihr Goalietrio kostet insgesamt 5.525 Mio, Durchschnitt pro Goalie 1.842 Mio. Damit liegen sie an 26. Stelle von 32 Teams und stellen eine der günstigsten Goaliegruppen der Liga.

Colorado Avalanche: Ihr Goalietrio kostet insgesamt 7.50 Mio und sie liegen damit auf Rang 20 von 32 Teams und stellen ebenfalls ein klar günstigeres Goalietrio als der Ligadurchschnitt. MacKenzie Blackwood ist dabei mit 5.250 Mio der Hauptkostenfaktor bei den Colorado Goalies und er ist aktuell nur die Nr. 2…

Am meisten geben die New York Rangers für die Goalies aus.13.825 Mio, gefolgt von den Seattle Kraken mit 13.66 Mio und viele Teams (z.B. Boston, Florida, Tampa) geben alleine für einen ihrer Topgoalies 9-12 Mio aus.

Eindrückliche Zahlen, wie ich meine und ich bin gespannt und freue mich auf die daraus folgenden Diskussionen.

Wie ist das in der Schweiz?

Dies habe ich nicht untersucht, aber wenn ich vor der Saison ein Expertenpanel gefragt hätte, wer die besten Goalies sind in unserer Liga, dann wären voraussichtlich Genoni, Hrubec und Charlin genannt worden. Keiner dieser Goalies war im Final vertreten. Ob diese Goalies auch zu den Topverdienern zählen entzieht sich meiner Kenntnis. Ich denke nicht, dass dies für Charlin zutrifft, vermutlich aber für Genoni. Auch hier ein Beispiel von schwankenden, kaum zu antizipierenden Leistungen: Genoni hatte keine besonders gute Saison beim EV Zug, spielte aber hervorragend an den olympischen Spielen.