NHL Draft 2026: Ernüchterung für die Schweiz

30.06.2026
Aktualisiert am 30.06.2026

Text von Thomas Roost

Die Fakten, gedraftete Spieler nach Nationalität

Kanada 70
USA 55
Russland 26
Schweden 24
Tschechien 13
Finnland 13
Slowakei 8
Lettland 4
Belarus 3
Dänemark, Deutschland, Litauen, Moldawien, Norwegen, Schweiz und Ungarn je 1 Spieler

Die Erwartungen und Aussichten
Leider durfte man in der Schweiz und Deutschland nicht viel mehr erwarten. Immerhin erwartete ich Lars Steiner in der dritten oder vierten Runde. Die sechste (171st overall, St. Louis Blues) ist eine leichte Enttäuschung, da er noch vor einem Jahr als früher Zweitrundenkandidat gehandelt wurde. Tobias Krestan, bei den Deutschen, in der 7. Runde (209th overall, LA Kings), entspricht in etwa den Vorhersagen.

Nicht erwartet habe ich das Fehlen des einen oder anderen Überraschungspicks in der sechsten oder siebten Runde. In der Regel fällt dabei jeweils die eine oder andere Brosame für uns DACH-Länder ab. So stehen wir auch in diesem Jahr nahezu mit leeren Händen da und müssen uns bei «Eishockey-Ländern» wie Moldawien, Litauen und Ungarn einreihen.

Immerhin schaut es für das nächste Jahr besser aus, da schicken wir mit Neuenschwander (Schweiz) und Calce (Deutschland) zwei ziemliche Hochkaräter ins Rennen. Dies ist aber eher die Ausnahme, welche die Regel bestätigt, und noch kein Anzeichen für Nachhaltigkeit.

Die Slowakei mit 8:1 Draftpicks, Lettland mit 4:1, das schon fast vergessene und schwierig zu scoutende Belarus mit 3:1 – das sind Vergleiche, die uns zu denken geben müssen. Hinzu kommt, dass die Letten mit Alberts Smits (5th overall, NY Rangers) und Rudolfs Berzkalns (58th overall, Edmonton Oilers) zwei frühe Draftpicks zu verzeichnen haben.

Nicht zu vergessen den litauischen Genf/Thurgauer Simas Ignatavicius (40th overall, Florida Panthers). Die statistischen Chancen früher Picks sind deutlich höher, sich zu einem regulären NHL-Spieler zu entwickeln (100+ Games). Die Chance von Erstrundenpicks liegt bei ca. 66 %, bei Zweitrundenpicks bei 27 %, bei Sechstrundenpicks bei 9 % und bei Siebtrundenpicks bei 7 %. Die Zahlen variieren leicht, je nach Quelle.

Welches waren die Gewinner der höchst interessanten Draft- und Tradewoche?
Für mich sind die San Jose Sharks die klaren Gewinner. Mike Grier, der GM, verwandelte in einem Trade William Eklund in den 9th overall Pick, arbeitete sich per Trade auf Pick #21 nach oben und draftete Ryan Lin – der in meinen Büchern als #13 geführt wurde.

Mit dem bereits erwähnten 9th overall Pick sicherte sich Grier den Verteidiger Keaton Verhoeff, welcher bei vielen Scouts – nicht aber bei mir – ein Top-5-Pick war. All dies war aus meiner Sicht eine Meisterleistung der San Jose Sharks.

Ebenfalls zu den Gewinnern zähle ich die Toronto Maple Leafs (glückliche Lottery-Gewinner), die Buffalo Sabres (gut getradet) und die Seattle Kraken (Chase Reid mit Pick #7 ist ein so genannter «Diebstahl»).

Insgesamt war es ein Verteidiger-Draft. Sechs Verteidiger wurden in den Top 13 gezogen – das gab es seit 30 Jahren nicht mehr. Interessant ist die Tatsache, dass die Expertenmeinungen innerhalb der rund zehn Top-Verteidiger stark variierten, was zu hochinteressanten Diskussionen führte.