
Text von Thomas Roost, Fotos zvg/NHL
Die Edmonton Oilers sind etwas überraschend in der ersten Runde der NHL-Playoffs an den Anaheim Ducks gescheitert. Wird Connor McDavid den Titel mit den Oilers nie gewinnen können? Befinden sich die Oilers auf dem absteigenden Ast?
Zuerst eine Ehrerbietung an die Anaheim Ducks. Sie haben sehr gut gespielt und Spieler wie Jackson LaCombe, Troy Terry, Leo Carlsson und Cutter Gauthier haben in dieser ersten Playoffrunde grossartige Leistungen abgeliefert. Der Verteidiger Jackson LaCombe hat auch dank seinen hervorragenden läuferischen Fähigkeiten Connor McDavid im Direktduell weitgehend aus dem Spiel genommen. Die Anaheim Ducks haben die Serie verdient gewonnen, sich waren schlicht und einfach besser als die Oilers.
Erstaunlich gelassen haben die Protagonisten der Oilers das frühe Out kommentiert und analysiert. Vermutlich haben sie gespürt, dass in diesem Jahr nicht allzuviel zu holen sein wird in den Playoffs. Bereits die Regular Season war geprägt von sehr schwankenden Leistungen. Vor allem die Defensivorganisation und auch das Goaltending waren ungenügend. Die Oilers sind seit Jahren auf der Suche nach mindestens durchschnittlichem Goaltending, aber auch in dieser Saison haben die Trades für Connor Ingram und Tristan Jarry nicht wirklich gefruchtet. Hinzu kamen offensichtliche Verletzungen der Leistungsträger. Connor McDavid konnte aufgrund einer vermuteten Knöchelverletzung maximal 50% seines üblichen Rendements abrufen. Leon Draisaitl kam von einer längeren Verletzungspause zurück, auch er war alles andere als 100% fit. Auch Zach Hyman und Jason Dickinson waren angeschlagen und sind teilweise sogar ausgefallen.
Trotzdem, die Oilers müssen sich auch an der eigenen Nase nehmen. Das Defensivverhalten war bereits in der Regular Season zu oft völlig ungenügend und dieses Manko hat sich auch in der Playoffserie gegen die Ducks fortgesetzt. Scoring von den «Hinterbänklern»? Grossmehrheitlich Fehlanzeige. Geht der «Produktezyklus» der «topheavy» Oilers langsam aber sicher zu Ende? McDavid hat im letzten Sommer «nur» einen Zweijahresvertrag unterschrieben und dies bedeutet, dass in der nächsten Saison vorläufig ein letzter Versuch unternommen werden wird, den Cup zu gewinnen.
Ich denke nicht, dass die Oilers bereits am Ende ihres Lateins sind. Zwei Finalteilnahmen hintereinander mit knappen Serie-Resultaten 2-4 und 3-4 sprechen für sich, die Oilers haben sehr vieles richtig gemacht und falls es ihnen gelingt, die Topshots gesund zu halten, dann werden die Oilers auch in der nächsten Saison noch einmal zu beachten sein.
Eine weitere Voraussetzung ist aber, dass betreffend Secondary Scoring, Defensive und Goaltending mutige, aggressive Entscheide getroffen werden. Die diesbezüglichen Spekulationen haben bereits Hochkonjunktur. McDavid selbst stellt in Abrede, dass er getradet werden will. Er gibt den Oilers eine letzte Chance und wird zusammen mit dem GM ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es um Kaderveränderungen geht. McDavid ist ein intelligenter Typ, der weit über den Tellerrand seines eigenen Spiels hinaus die Lage analysiert und dem GM wertvolle Inputs geben wird. Noch sind die Oilers nicht am Ende ihres Lateins, aber die Uhr tickt.