Die zwei besten Teams duellieren sich um den Titel

14.04.2026
Aktualisiert am 16.04.2026

Text von Ueli Schwarz, Fotos: zvg

Der Erste der Regular Season spielt gegen den Zweiten um den Titel – eine würdige, verdiente Affiche des diesjährigen Playoff-Finals. Es treffen zwei Organisationen aufeinander, die richtiggehend nach dem Titel lechzen. In Davos spricht man schon lange von der Mission 32 – dem 32.Titel, während der ganze Kanton Fribourg das Trauma der «Meisterlosen» endlich in die Vergangenheit verbannen will. Beide Organisationen haben entsprechend viel in ihr Kader und ihren Staff investiert, hart und zielorientiert gearbeitet, sind offen mit ihren Ambitionen umgegangen und ….haben geliefert !

Ich wage nachfolgend einen Vergleich der beiden Clubs vor dem grossen Finale auf Grund identischer Kriterien und versuche mich dann trotz einigen diesbezüglichen Misserfolgen in einer Prognose.

Wo steht der HC Davos vor diesem Final ?

Der HCD bestritt bislang 52 Spiele in der Regular Season und 9 Playoff-Spiele und gewann 39 mal und 8x in den Playoffs – 47 von bisher 61 Spielen gewonnen, eine extrem beeindruckende Bilanz! Das so erarbeitete Selbstvertrauen, das Selbstbewusstsein und die Selbstverständlichkeit enge, oft auch unterlegene Spiele immer am Schluss zu den eigenen Gunsten entscheiden zu können macht Davos zum mentalen «Monster».

Davos ist mit 191 Toren in der Regular Season ( die Analytik erwartete knapp über 140 Tore!) und mit weiteren 32 in den beiden Playoff-Serien (erwartet waren rund 25 Tore) offensiv extrem effizient und gefährlich.

Noch fast beeindruckender sind aber die defensiven Werte, denn in der Regular Season kassierte man nur 116 Tore (erwartet 130) und in den bisherigen Playoffs 20 (erwartet 32).

Das beeindruckt noch fast mehr, wenn man bedenkt, dass mit Corvi, Gredig, Nussbaumer und Fora vier wichtige Stammspieler fehlen und dass Aeschlimann im Gegensatz zur Regular Season wegen der Verletzung Hollenstein`s die ganze Last im Tor nun selber schultern muss.

Als Sieger der Regular Season haben die Bündner den Heimvorteil auf ihrer Seite. Was bedeutet verdeutlicht der Fakt, dass das Team in der gesamten Qualifikation nur drei Spiele (eines davon im Penaltyschiessen) zu Hause verloren hat und in den laufenden Playoffs noch gar keines!

Oft sind in den Playoffs die Ausländer und die Torhüter von grosser Bedeutung. Auch in dieser Hinsicht spricht sehr viel für die Davoser, denn Ryfors, Asplund, Stransky, Zadina, Dahlbeck, Lemieux und Tambellini ( zusätzlich die vorwiegend als Notnägel geplanten Claesson und der Torhüter Taponen) liefern ganz stark ab in den Playoffs und Holden kann rotieren und ist gegen Ausfälle bestens gewappnet. Kommt dazu, dass Aeschlimann bislang herausragend agiert und erst 20 Gegentore zugelassen hat, also rund 12 (!) Gegentore besser dasteht als die Datenanalyse erwartete.

Oft hört man, dass die Special-Teams – also das Spiel in Über-, respektive Unterzahl - in den Playoffs entscheidend sein können. Die Bündner stehen in den Playoffs bei 29 Überzahl-Gelegenheiten von denen sie 7 erfolgreich nutzen konnten. Das ergibt eine gute Quote von 24%. Aus ebenfalls 29 Situationen mussten sie im Unterzahlspiel erst 5 Gegentore zugestehen, was keinen überragenden, aber respektablen Wert darstellt.

All diese Fakten belegen, dass Davos zu Recht im Final steht und auf eine bislang wahre Traumsaison zurückblicken darf.

Wo steht der HC Fribourg-Gottéron vor diesem Final ?

Gottéron konnte von seinen 52 Regular-Season-Spielen auch stolze 37 Siege erringen. In den Playoffs auch deren 8 allerdings aus 12 Spielen. 45 Siege aus64 Spielen ist auch herausragend, , aber nicht ganz auf Augenhöhe mit dem HCD - verrückt.

Auch Fribourgs Offensiv lieferte mit 172 Toren in der Regular Season sehr stark ab, allerdings bei analytisch erwarteten 165 Toren etwas weniger effizient als die Bündner. In 3 Playoff-Spielen mehr als der HCD scorten die Drachen weitere 39 Tore, leicht über den analytisch zu erwartenden 37 Toren. Der Output ist stark, aber nicht dermassen übereffizient wie beim HCD.

Die Saanestädter spielten defensiv eine starke Regular Season und kassierten mit 124 Gegentoren nur leicht mehr Tore als der HCD. Auffallend im Vergleich zum HCD, dass eben die kassierten Tore ziemlich genau auch dem erwarteten Wert entsprachen. In den bisherigen 12 Playoff-Spielen war Gottéron mit 39 Gegentoren (bei warteten 39 Toren) etwas weniger stabil und überragend als Davos.

Eine Parallelität zeigt sich bei den beiden Finalisten bezüglich dem Wegstecken von Verletzungen wichtiger Spieler. Mit Schmid, Glauser, lange Sörensen und Biasca fehlten wichtige Leistungsträger und trotzdem qualifizierte sich das Team für den Final – auch das ein beeindruckender Fakt. Die Undiszipliniertheit und die lange Sperre Nemeths mit seinen fünf gefehlten Spielen war rein selbstverschuldet. Sein Dank muss ans Team gehen, dass dieses egoistische Verhalten vom Team aufgefangen werden konnte.

Rönnbergs Team muss für den allfälligen Titelgewinn mindestens ein Spiel in Davos gewinnen. Das ist angesichts der erklärten Heimstärke der Bündner eine schwierige Aufgabe. Davos gewann beide Heimspiele in dieser Saison gegen Fribourg , verlor aber auch zweimal in Fribourg. Zudem ist die Playoff-Bilanz des HCD zu Hause bislang makellos. Ein Break in Davos wird also zum Schlüssel für die Freiburger.

Mit der Rückkehr von Sörensen nach seiner Verletzung und der abgesessenen Sperre von Nemeth verfügt Rönnberg nun über Alternativen bei den Ausländern, die aber bislang weniger dominant waren als ihre Antipoden. Dafür überzeugte bisher mit Bertschy ein Schweizer als Overall Top Scorer in den bisherigen Playoffs.

Torhüter Berra hat auf seiner Abschiedstour in Fribourg im Halbfinal für sein Team eine wichtige Differenz gemacht. Auch er hat mit 25 Gegentoren aus 12 Spielen einen beachtlichen Gegentorschnitt pro gespieltes Spiel aufzuweisen, hat aber bei analytisch erwarteten 27 Gegentoren deutlich weniger «stehlen» können als Aeschlimann. 

Das Spiel in Überzahl ist bislang in den Playoffs eine ganz grosse Schwäche Fribourgs. Trotz 48 Gelegenheiten erzielte man erst schwache zwei Tore und….kassierte deren drei ! Dass Fribourg damit im Finale stehen kann, erstaunt. Viel besser sieht dagegen das Spiel in Unterzahl aus, denn man verteidigte 46 Situationen mit nur 6 Gegentoren und erzielte selber drei Shorthander.

Die Konklusion

Zwei Teams mit ganz vielen bewiesenen Stärken und kaum Schwächen kämpfen also verdientermassen um den Titel. Versucht man nun auf Grund der Fakten die Favoritenrolle zu definieren, kann man zu folgenden Schlüssen gelangen:

Der bisherige Saison- und Playoffverlauf spricht für beide Teams, aber eben auf Grund der bisherigen Supersaison eher für den HCD.

Der HCD hat nicht nur den Heimvorteil, sondern eben auch eine eindrückliche Heimbilanz. Vorteil Davos.

Mental überzeugen mich beide Teams. Beide haben viel Eigendruck produziert und haben das bislang prima gemeistert. Fribourg manövrierte sich aus einer kritischen Situation im Viertelfinal, aber der HCD weist eine Vielzahl erfolgreich gelöster enger Situationen aus. Grossartig, wie beide Teams bislang Ausfälle kompensierten. In der mentalen Gesamtbetrachtung stufe ich die Ausgangslage der Bündner noch etwas höher ein.

Zwei spielstarke Offensiv-Formationen treffen aufeinander. Beide können scoren. Ich bevorteile Fribourg bezüglich kreierter Chancen, aber den HCD deutlich bezüglich Effizienz. Deshalb endet für mich der offensive Vergleich der beiden Teams unentschieden.

Vergleiche ich die Defensivleistungen, verstehen es beide Teams vorzüglich, die gegnerischen Chancen tief zu halten. Es gelingt aber dem HCD fast besser, Gegentore zu «stehlen», also gute Chancen auch wirklich erfolgreich zu verhindern. Für mich daher ein leichter Vorteil für den HCD.

Damit kommen wir zu einem «Hit» dieses Finals – zum Goalieduell. Beide waren mit sehr starken Leistungen für ihr Team sehr entscheidend für den Weg ins Finale, Aeschlimann fast noch eine Spur entscheidender. Berra kennt aber die Finalsituation im Gegensatz zu Aeschlimann. Darum sehe ich keinen Vorteil für ein Team, nur für uns Zuschauer im Sinne eines Giganten-Duells  im Tor.

Bezüglich Ausländer sehe ich vor dem Final Vorteile beim HCD. Aber Achtung, das Duo Sörensen & Wallmark ist erst seit kurzem wiedervereint und scheint Fahrt aufzunehmen. Darum meine ich, dass nur die diesbezügliche Poleposition Davos gehört. Den Rest wird die Serie bestimmen.

Zieht man das Überzahlspiel in den Playoffs als Kriterium herbei, sind die Vorteile klar beim HC Davos. Im Spiel in Unterzahl hingegen sehe ich vor dem Start leichte Vorteile bei Fribourg.

Und nun also der Versuch der Prognose, die mir in der empirischen Betrachtung meiner jeweils gemachten Prognosen möglicherweise noch um die Ohren fliegen wird: die Chancen auf den Titel stehen 60:40 für den HC Davos. 
Die guten News für die Fribourg Fans können einer Redewendung entzogen werden: «Erstens kommt es anders , zweitens als man denkt» und das war bei meinen Prognosen eben auch schon der Fall.