Die NHL nimmt Fahrt auf

12.10.2026
Aktualisiert am 16.10.2026
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Text von Thomas Roost

Ein holpriger Start auf hohem Niveau

Durch die Verkürzung der Camp-Phase, die darin gipfelt, dass alle bestandenen Spieler mit mehr als 100 NHL-Spielen auf dem Buckel in maximal zwei Testspielen eingesetzt werden dürfen, erinnerten mich zahlreiche Spiele in den ersten Runden an eigentliche Testspiele. Topspieler, die noch nicht in Topform sind, mangelhaft eingeübte Spielsysteme, die zu unglaublich vielen Fehlern im Spiel ohne Scheibe führten und somit torreiche Spiele begünstigten. Die mangelnde Topform bezieht sich dabei auf koordinative Abläufe und nicht den mangelnden Fitness-Level. In der modernen NHL rücken alle Spieler in physischer Topverfassung ein und falls nicht, sind sie schnell weg vom Fenster. Früher war es so, dass sich die Topspieler die Freiheit genommen haben, das Camp als Aufbauphase für den Fitness-Level zu verstehen. Heute ist dies undenkbar. Was ebenfalls auffällt, ist der im Durchschnitt unglaublich hohe Skill-Level der Spieler, dieser verbessert sich von Jahr zu Jahr. Die heutigen jungen Spieler sind physisch und skillmässig sehr viel besser ausgebildet als noch vor wenigen Jahren. Die Trainingslehre in den Eishockeyländern hat sich weiterentwickelt, d.h. die heutigen sehr jungen Spieler sind top auf die NHL vorbereitet. 

Frühe Überraschungen und offene Fragen

Ernst zu nehmende Erkenntnisse betreffend die Leistungsfähigkeit der Teams sind noch kaum feststellbar. Immerhin schwächt der erneute Ausfall von Captain Barkov die Florida Panthers auch in dieser Saison entscheidend, hinzu kommt neu auch noch der Ausfall von Brad Marchand. Stand heute ist es immerhin so, dass beide nicht für die gesamte Saison ausfallen wird, es wird «nur» mit zwei Monaten gerechnet. Trotzdem, die Langzeitabwesenheit von Barkov und Marchand wird die Florida Panthers erheblich schwächen. Die Oilers sind seit Jahren verzweifelt auf der Suche nach solidem Goaltending und der Saisonstart deutete nicht darauf hin, dass sie dieses Problem gelöst haben. Immerhin hat sich aber Devon Levik, einer ihrer Goalies, in den letzten Spielen markant gesteigert. Wichtig zu wissen, dass statistisch schwaches Goaltending sehr oft auch und vor allem mit dem Defensivverhalten der Mannschaft zu tun hat. Einige der vermeintlichen Aussenseiter sind überraschend gut gestartet (Winnipeg Jets, ohne Stargoalie Hellebuyck, die New York Rangers, die nach nur zwei Partien ihren Stargoalie Shesterkin verletzungsbedingt für den Rest der Saison verloren haben und die Seattle Kraken). Somit sind die beiden vielleicht besten Goalies der Welt Hellebuyck und Shesterkin ausser Gefecht und was geschieht? Beide Teams gewinnen Spiel um Spiel und dies mit dem in Edmonton verhöhnten Stuart Skinner (Winnipeg Jets) und dem «no name» Dylan Garand (New York Rangers). Ok, jüngst gab es für die Rangers eine 1-7 Klatsche gegen die Devils und Oilers verloren nach zuletzt fünf Siegen gegen die Utah Mammoth.

Zwischen Fehlstarts, Unruhe und vorschnellen Schlüssen

Die Anfangsphase jeder NHL-Saison sind aber immer auch die gefährlichsten Phasen für die Teppichetagen. Aufgrund von zu kleinem «Sample Size» führen vermeintliche Erkenntnisse zu unnötigen Fehlentscheidungen bei den GMs. Wir dürfen nicht vergessen, eine NHL-Saison ist kein Sprint, sondern ein Marathon und kurzfristig überraschende Resultate bestätigen sich im Verlaufe einer langen Saison meistens nicht. Diejenige Geschichte die medial neben der «No Show Hellebuyck» das grösste Aufsehen erregt ist die missliche Situation bei den Detroit Red Wings. Die Red Wings sind noch immer ohne GM und die Interimslösung mit Shawn Horcoff scheint von der «Ownership» nicht eben mit vielen Kompetenzen ausgestattet zu sein. Vor allem aus diesen Gründen ist die Situation um den abwanderungswilligen langjährigen Captain Dylan Larkin noch immer ungelöst. Zudem fehlt der Top-Defender Simon Edvinsson, der – ohne Vertrag aber mit gutem Willen und Risikobereitschaft ausgestattet – überraschend im Camp erschienen ist in der Meinung, dass seine Vertragsverlängerung endlich abgewickelt werden kann. Nichts ist aber geschehen, so dass sich Edvinsson mittlerweile in Schweden in Form zu halten versucht und neuerdings ebenfalls hat verlauten lassen, dass er getradet werden will. Nicht überraschend darum, dass der Saisonstart der Red Wings maximal lauwarm ausgefallen ist. Nicht lauwarm, sondern eiskalt war der Saisonstart der Philadelphia Flyers. Logisch, dass darum in «Philly» über Trades oder Coachingwechsel spekuliert wird. Nichts zu lachen haben bis jetzt die «Swiss Devils», da sollte lieber früher als später eine Steigerung erfolgen. Trotz erfolgreichem Saisonstart seiner Winnipeg Jets dürfte auch Nino Niederreiter mit dem Beginn der Saison nicht zufrieden sein. Er wurde zweimal als «healthy scratch» gelistet, d.h. er ist fit und gesund, wurde aber vom Coach wiederholt nicht nominiert. Im letzten Spiel war er jedoch wieder mit dabei, wartet aber noch immer auf seinen ersten Skorerpunkt.