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Artikel - Die «Johnny Hockey» Saga

Es liegen einige spannende NHL-Wochen und Tag hinter uns mit Ueberraschungen hier und da. Die Montreal Canadiens lehnten den «Wright-Choice» ab, die Maple Leafs wirbelten das Goalie-Karussell durcheinander und vor allem die Ottawa Senators, die Detroit Red Wings und die Carolina Hurricanes haben sich auf dem Free Agent Markt grosszügig bedient.

Die grösste Ueberraschung ist aber aus Edmonton zu vermelden. Mike Smith wird Jack Campbell vor die Nase gesetzt, unglaublich, aber wahr… ok, maybe not ;-) Spass beiseite. Die wirklich grösste Ueberraschung war die Johnny Gaudreau Verpflichtung der Columbus Blue Jackets. Erwartet wurde, dass er in Philadelphia auf Long Island oder in Newark bei den Devils landen wird. Sein privates Umfeld hat ihn dazu bewogen, in Richtung Ostküste zu dislozieren.

Wechsel ohne Gegenwert

Unschön für die Calgary Flames war, dass er diesen Entscheid erst ganz am Ende kommunizierte und dieses Szenario wird bei allen GMs nachhaltige Spuren hinterlassen. Die Flames sind auch bei der «Causa» Tkachuk stark gefordert und es gibt auch in diesem Fall Anzeichen, dass er für die Flames kein allzu gutes Ende nehmen wird, d.h. im Fall Tkachuk kann immerhin hochkarätigen Tradegegenwert erwartet werden. Konkret bedeutet all dies, dass künftig Verträge von Spielern mit dem kommenden «Unrestricted Free Agent» Status entweder frühzeitig verlängert oder aber zum Trade angeboten werden. Die Calgary Flames verlieren jetzt Johnny Hockey ohne auch nur den geringsten Gegenwert und dies ist sehr bitter und GM Brad Treviling wird dafür auch heftig kritisiert.

Es gibt allerdings Anzeichen dafür, dass Gaudreau selbst bis zum Schluss unsicher war, ob er Calgary verlassen soll oder nicht, aber die Flames haben es verpasst, vor seinem Sommerurlaub – den er zu Hause an der Ostküste angetreten hat – Nägel mit Köpfen zu machen. Den definitiven Entscheid für die Ostküste hat Gaudreau erst im Kreise seiner Familienangehörigen – auch die Familie seiner Frau ist an der Ostküste zu Hause – gefällt und den Entscheid zugunsten der Columbus Blue Jackets erst sehr kurz bevor er bei den Devils unterschrieben hätte. Das Blue Jackets Angebot kam in letzter Minute und Gaudreau bevorzugte diese Option. Ok, wir in Europa denken Columbus ist ja gar nicht an der Ostküste, aber da verkennen wir das Distanzgefühl der Nordamerikaner, von Columbus an die Ostküste, das ist für Nordamerikaner ein Katzensprung. Zudem äusserte sich Gaudreau zu diesem Thema wie folgt: «Ja, ich wollte in Richtung meiner Familie aber im Idealfall nicht allzu nahe, weil bei mir zu Hause eine «Open Door Policy» gilt und wenn sich alle zwei, drei Tage, Verwandte und Freunde einquartieren so lenkt dies womöglich zu stark vom Hockey ab. Darum ist Columbus ideal.»

Ein lebenswerte Stadt

Die Nordamerikaner selbst haben sich aber auch gewundert, dass Gaudreau Columbus gewählt hat, denn Columbus gilt weder als Hockey-Mekka noch ist die Stadt nicht so sexy wie New York oder LA und liegt auch nicht am Meer. Zudem gibt es – allerdings nicht bestätigte – Gerüchte, dass Gaudreau bei den Devils mehr als 10 Mio p.a. verdienen hätte können; die Columbus Blue Jackets haben ihn für 9.75 Mio p.a. unter Vertrag genommen. Zurück zu Columbus. Ich selbst war noch nie in Ohio und somit auch noch nie in Columbus, aber ich habe mit mehreren Personen gesprochen die Columbus kennen und alle versicherten mir, dass Columbus betreffend Lebensqualität weitherum unterschätzt wird. Gemäss diesen Meinungen ist Columbus eine extrem lebenswerte Stadt mit hoher Sicherheit und sehr vielen Annehmlichkeiten. Auch Gaudreau hat dies in Interviews immer wieder erwähnt.

Am Ende des Tages ist Jarmo Kekkälainen, dem GM der Blue Jackets ein «Coup» gelungen, auf den er stolz sein darf. Ohne Kritik an Kekkalainen beende ich diese Kolumne aber nicht. Die Blue Jackets haben vor wenigen Tagen auch den Verteidiger Erik Gudbranson unter Vertrag genommen und dies zu einem für mich exorbitanten Salär von jährlich 4 Mio Dollar. Gudbransons Salär 4 Mio Dollar? Common… das ist für mich ein Spieler mit einem Price-Tag von max. 2 Mio. Sei es wie es ist. Die Blue Jackets haben mit Gaudreau einen Superstar und sollen sich jetzt zuerst einmal freuen. Die damit zusammenhängenden Herausforderungen (Salary Cap… können sie sich Patrik Laine weiterhin leisten oder wird er getradet?) können Schritt für Schritt angepackt werden. Auch die legendäre Kanone die bei Blue Jackets Toren «gezündet» wird muss frisch geölt werden, denn Gaudreau verspricht viele Tore.

  


Thomas Roost

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah.  Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.

https://www.thomasroost.com I Twitter: @thomasroost

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