Der National League Realitätscheck im November | Teil 2

07.11.2026
Aktualisiert am 07.11.2026
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Text von Ueli Schwarz

Was vor dem Start am 15. September erwartet und prognostiziert wurde, kann nun trotzdem einem ersten Realitätscheck unterzogen werden. Die Tabelle muss aber vorsichtig gelesen werden, denn bei der unterschiedlichen Anzahl gespielter Spiele und den noch kleinen Punktdifferenzen können sich die Ranglistenpositionen jeweils sehr schnell ändern.


Auch ich hab mich vor der Saison prognostisch aufs Glatteis begeben. Im Wissen um den „Glücksspiel-Faktor“ solcher Versuche habe ich meine Prognosen in der Hoffnung auf eine bessere Trefferquote in die Bereiche „Bester Fall“, „Realistischer Fall“ und „Schlechtester Fall“ pro Team unterteilt. „Nice try“. Für einmal deckt sich das bei vier Clubs gemessen an ihren Voraussetzungen einigermassen mit meiner erwarteten Bandbreite zwischen optimistischen und pessimistischen Erwartungen…

Wer steht wie von mir vermutet „Im besten Fall“ da?

ZSC Lions

Die Zürcher hätten eigentlich in die Kategorie „noch besser als erwartet“ gehört…Man kann aktuell nur in Superlativen über die Auftritte der Lions reden. Ich vermutete sie im besten Fall auf einem der beiden Top-Plätze. Sie können also gar nicht besser sein, als im besten Fall vermutet … Noch Fragen? Betrachtet man ihre Dominanz bei Resultaten und Punkten, aber eben auch ihre offensive und defensive Spielweise, ihre Souveränität, ihre mannschaftliche Geschlossenheit und ihre Konstanz, sind die Zürcher der gesamten Konkurrenz bislang ohne Frage hoch überlegen und das in einem Mass das ganz so deutlich nicht erwartet werden konnte.

SC Bern

Das Team wies lange relativ wenig Schwankungen auf – bis zur fast historischen 1:8 Heim-Niederlage gegen Zug. Diese soll aber das Bild der ersten Phase nicht zu sehr prägen: Das Team spielte recht konstant, wirkt defensiv solid und verfügt über zwei gute Goalies. Darin liegt der Schlüssel der aktuell guten Situation, denn offensiv ist der SCB aktuell noch nicht über alle Zweifel erhaben. Die generelle Effizienz bei zwar hohem Abschlussvolumen, das schnelle Konterspiel sowie das Powerplay haben Luft nach oben. Dass die Ausländer noch nicht die erwarteten Offensivwerte abliefern, mag eine der Ursachen dafür sein. Dass man sich aber aktuell doch durchaus auf Top-6-Kurs befindet, stimmt angesichts des offensichtlichen Steigerungspotentials aus Berner Sicht für die Fortsetzung zuversichtlich.

Wer steht wie von mir vermutet „Im realistischen Fall“ da?

Genève-Servette HC

Ich bin versucht zu sagen, dass jedes Team der NL weit unter den Erwartungen bleibt, wenn so viel Verletzungspech eintritt. Ohne Manninen, Saarijärvi, Granlund, phasenweise Puljujärvi, Rutta, Chanton, Untersander, Müller, Hischier, Praplan, Rod und Boqvist ist das natürlich nie das gleich starke Kader … Man hat Servette immer vorgehalten, dass sie zu sehr von den Imports leben würden. Genau jetzt ist der Moment da, wo sich andere in den Vordergrund spielen und zeigen können, dass auch sie Entscheidendes zu leisten im Stande sind. Unter diesen Umständen stehen die Grenats eigentlich sehr gut da. Das ist aus ihrer Sicht sehr positiv zu werten und wer solche personellen Durststrecken mit so vielen Punkten übersteht, baut sehr viel Mut und Selbstvertrauen auf und heizt automatisch den internen Konkurrenzkampf stark an. Was, wenn alle Stars wieder regelmässig auch noch mittun können …? Mit Genf muss man im weiteren Verlauf rechnen.

Wer steht wie von mir vermutet „Im schlechtesten Fall“ da?

EHC Biel

Der Start ist unter den Erwartungen ausgefallen. In den letzten Runden vor der Pause war dann jedoch die Ausbeute etwas besser. Wie oft festgestellt, sind früh vergebene Punkte später dann oft schwierig zu kompensieren. Genau vor dieser Aufgabe steht Biel nun. Generell ist die Konstanz noch ungenügend. Sehr guten Spielen oder Phasen folgen deutlich schlechtere. Das zeigt, dass das Potential besser dazustehen vorhanden ist, doch die Fallhöhe nach unten ist deutlich zu hoch. Teilweise krasse individuelle defensive Unzulänglichkeiten in solchen Momenten – oft zudem in der Schlussphase enger Spiele – kamen dem Team bislang schmerzhaft teuer in Form von Punktverlusten zu stehen. Die Konstanz zu verbessern und individuell fokussierter und konzentrierter aufzutreten sind die Challenges für die Fortsetzung.

 

Diese vier näher betrachteten Teams sind irgendwie so unterwegs wie ich es im besten, realistischen oder schlechtesten Fall vermutet habe. Mit einem Blick nach vorne kann Zürich nicht besser rangiert sein, Bern wird versuchen die Position zu halten, Servette wohl noch einen Schritt vorwärts machen und Biel versuchen, den Anschluss zu halten und sich etwas weiter nach vorne zu orientieren.