
Text von Ueli Schwarz
Schon ist sie da – die Novemberpause. Seit 7 Wochen und 127 gespielten Spielen gibt’s haufenweise Emotionen, Diskussionen um Teams, die weit über den Erwartungen dastehen und andere, die sich Mühe geben, aber auch Mühe haben. Fast alle Teams suchen noch ihr Gesicht und ihre Konstanz.
Was vor dem Start am 15. September erwartet und prognostiziert wurde, kann nun trotzdem einem ersten Realitätscheck unterzogen werden. Die Tabelle muss aber vorsichtig gelesen werden, denn bei der unterschiedlichen Anzahl gespielter Spiele und den noch kleinen Punktdifferenzen können sich die Ranglistenpositionen jeweils sehr schnell ändern.
Auch ich hab mich vor der Saison prognostisch aufs Glatteis begeben. Im Wissen um den „Glücksspiel-Faktor“ solcher Versuche habe ich meine Prognosen in der Hoffnung auf eine bessere Trefferquote in die Bereiche „Bester Fall“, „Realistischer Fall“ und „Schlechtester Fall“ pro Team unterteilt. „Nice try“ und einmal mehr kommt’s anders, als man denkt …
Wer steht noch besser da als von mir im besten Fall vermutet?
HC Ambrì-Piotta
Die Tessiner sind die ganz grossen positiven Überflieger! Wie vermutet sind Spiele gegen die Biancoblu schwierig, denn sie spielen sehr aufsässig, hartnäckig und sind defensiv viel strukturierter unterwegs als im Vorjahr. Hinter dieser Teamarbeit verfügt Ambri auch über sehr gute Goalieleistungen. Darauf aufbauend machen Spieler wie Järventie, Joly, Schnarr und zuletzt auch Kodytek oft die Differenz. Das Selbstvertrauen ist da, ebenso die grenzenlose Euphorie. Was bisher geleistet wurde – auch in Anbetracht der finanziellen Möglichkeiten - verdient ganz grossen Respekt!

HC Ajoie
Die Jurassier sind die zweite ganz grosse Überraschung. Sie treten überaus selbst-bewusst auf und verfügen über sehr effiziente Ausländer – gerade auch im Powerplay. Es macht den Anschein, dass sich in ihrem Sog auch die Schweizer positiv weiterentwickelt haben. Sehr viel zur überraschenden ersten Phase beigetragen haben die Torhüter Keller und Patenaude! Das Ziel, in der Liga den Anschluss zu schaffen und nicht Dauerletzter zu sein, ist mehr als realistisch – aktuell steht Ajoie sogar auf einem Play-In-Platz. An der eigenen Überzeugung und am Selbstvertrauen fehlt es nicht (mehr).

SCL Tigers
Die Emmentaler sind die dritte sehr positive Überraschung dieser ersten Phase. Auch sie holen nahezu das Optimum aus den gegebenen Möglichkeiten heraus. Sie stellen für jedes Team einen sehr ernst zu nehmenden Gegner dar, bauen ihr Spiel auf einer soliden und sehr solidarischen Defensive auf. Auf dieser Basis gelingt es den hochqualifizierten Ausländern, aber mit ihnen auch Schweizern wie Julian Schmutz, Bachofner oder Allenspach offensiv diese Arbeit dann auch in Zählbares umzumünzen. Eine Zahl sagt viel: 21 verschiedene Spieler haben schon ein Tor geschossen und die Abhängigkeit von den Ausländern ist deutlich kleiner als bei der Mehrheit der anderen Teams.

EV Zug
Zug hat deutlich weniger gespielt, zuerst lange nur auswärts und trotzdem stehen sie in den Top 6! Betrachtet man die Punkte pro Spiel, sind die Innerschweizer das einzige Team, das dem ZSC einigermassen auf den Fersen ist. Nach dem unruhigen Sommer gab’s eigentlich nur ein Mittel, um Ruhe einkehren zu lassen: Siege! Das ist mit einem bislang sehr auf Puckbesitz basierenden Spiel und einem gewohnt sehr starken Genoni trotz personeller Ausfälle sehr gut gelungen. Die Effizienz der Zuger ist ligaweit Spitze. Man kann zudem fast alle denkbaren statistischen und analytischen Werte beiziehen und man stellt fest, dass sich da ein Team ganz klar auf Top-6-Kurs befindet. Die Euphorie ist zurück – die Gewitterwolken sind fürs Erste abgezogen.
Vermutete man den EV Zug auf Grund seiner Möglichkeiten zumindest einigermassen in dieser Tabellensituation, sind die andern drei Clubs die drei ganz grossen und positiven Überraschungen dieser ersten Meisterschaftsphase. Sie demonstrieren eindrücklich dass man aus weniger (Budget) auch ganz viel Respektables (Rang) bewerkstelligen kann.

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