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Artikel - Das Leiden der Edmonton Oilers

Connor McDavid und Leon Draisaitl sorgen fast wöchentlich für Spektakel. Doch trotz diesem aussergewöhnlichen Sturmduo kommen die Edmonton Oilers auf keinen grünen Zweig. Wo die Probleme der Oilers liegen, analysiert Thomas Roost in seiner Kolumne.

Das wohl erfolgreichste Goalscoring-Duo in der Geschichte der Edmonton Oilers – ja sogar in der Geschichte der NHL – war Gretzky/Kurri. Sie waren Garant für Tore und Spektakel. Die heutigen Edmonton Oilers weisen viele Parallelen auf mit den Oilers der Aera Gretzky, Kurri, Messier etc. – auch die heutigen Oilers präsentieren das wohl spektakulärste Goalscoring-Duo mit Connor McDavid und Leon Draisaitl. Die Oilers der 70er-Jahre und die Oilers in den vergangenen 5 Jahren weisen eine weitere Parallele auf: Die offensive, spektakuläre, «Run and Gun» Spielweise. Die einzige und wohl wichtigste Parallele fehlt aber: Der Erfolg!

Mit Gretzky und Kurri gewannen die Oilers viermal den Stanley Cup.

Mit Gretzky und Kurri gewannen die Oilers viermal den Stanley Cup.

Die Probleme sind vielschichtig

Die aktuellen Oilers drohen sogar, die Playoffs zu verpassen. Der anfängliche Schwung nach dem Headcoach-Wechsel scheint bereits etwas verpufft zu sein. Die Protagonisten im Umfeld und auf dem Eis werden langsam aber sicher nervös und präsentieren sich ungehalten bei kritischen Fragen. McDavid und Draisaitl zeigten sich jüngst unwirsch und sichtlich genervt im Umgang mit den Medien.

Wie meistens sind die Gründe für den relativen Misserfolg vielschichtig: Das Oilers Powerplay funktioniert momentan rein gar nicht, es fehlen mit Ryan Nugent Hopkins, Jesse Puljujarvi, Tyson Barrie und Evan Bouchard verletzungsbedingt vier wichtige Elemente in der Oilers Raffinerie, vor allem auch betreffend die Unterstützung im Powerplay. Auch McDavid selbst und Leon Draisaitl haben jüngst geschwächelt. Die Umstellung vom Run & Gun-Hockey unter dem gefeuerten Headcoach Dave Tippett zum etwas pragmatischeren Stil unter Jay Woodcroft fällt auch den beiden Superstars nicht so ganz einfach. Secondary Scoring fehlt ebenfalls wie auch ein hochkarätiger «Shutdown-Defender».

Schwache Torhüter

Trotzdem gibt es meiner Meinung nach eine sehr klare, deutliche Schwachstelle, die aber offensichtlich vom Management entweder nicht erkannt wird, oder deren Fehleinschätzung nicht eingestanden werden will: Die Goalieposition. GM Ken Holland hält schon fast in beängstigender Sturheit an seinem ungenügenden Duo Koskinen/Smith fest. Immerhin fliesst in der Oilers Goalie-Pipeline ein junger, 23-jähriger Hoffnungsträger namens Stuart Skinner. Er präsentierte in dieser Saison bisher herausragende Leistungen in der AHL und zeigte sich immerhin auch meistens solide in seinen bisherigen 14 NHL-Karriereeinsätzen. Wieso GM Ken Holland nach wie vor am unglaublich unbeständigen 40-jährigen Mike Smith festhält und Stuart Skinner dem Farmteam «verschenkt» wird? Dies kann nur er selbst beantworten und seine Antwort lautet, dass er seinem Goalieduo Smith/Koskinen vertraut. Diese uneinsichtige Haltung des GMs ist sehr gefährlich für ihn selbst, sie könnte ihm den «Kopf» kosten. Immerhin bin ich der Meinung, dass der Headcoach-Wechsel zum smarten und gebildeten Jay Woodcroft mittelfristig Früchte tragen wird, doch die Goaliebaustelle bleibt scheinbar unbeachtet denn GM Ken Holland weist Gerüchte über einen bevorstehenden Trade-Deadline-Goaliedeal mindestens vorläufig zurück. 

Vielleicht kommt jetzt den Oilers «Kommissar» Zufall zu Hilfe, denn Mike Smith hat sich kurzfristig krankheitsbedingt abgemeldet und so findet sich Stuart Skinner plötzlich doch noch im Oilers Roster. Kann Skinner die Initialzündung für die Wende zum Guten sein? Ja, ich glaube schon, er braucht das Glück, dass er sofort heiss ist, wenn er spielt. Skinner ist ein gross gewachsener, athletischer Butterfly-Goalie, erstaunlich schnell in seinen lateralen Verschiebungen und er besticht durch seine Ruhe und Gelassenheit. Wenn er es schafft, sein Potenzial mit noch etwas mehr Beständigkeit abrufen zu können, dann ist er die Antwort auf die Goalieschwäche bei den Edmonton Oilers. Viele Chancen wird er nicht erhalten, denn Ken Holland will ja mit dem Festhalten an Mike Smith zeigen, dass er mit seiner einsamen Meinung richtig liegt… und das Rechthaben wollen ist bekanntlich eine menschliche Schwäche, vor allem der männlichen Spezies. 


Thomas Roost

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah.  Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.

https://www.thomasroost.com I Twitter: @thomasroost

Roots Ramblings - 
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