
Text von Thomas Roost
Die Carolina Hurricanes sind hochverdienter Stanley-Cup-Sieger 2026. Nach vielen Jahren von Top-Rangierungen in der Regular Season haben sie in dieser Saison von Anfang bis zum Ende nichts, rein gar nichts, anbrennen lassen. Klarer Regular-Season-Champion, gefolgt von einer unwiderstehlichen Playoff-Kampagne. Weil die Hurricanes in den vergangenen Jahren in den Playoffs meistens etwas früher als erwartet gescheitert sind, gab es bereits Stimmen, die ihnen die Playofftauglichkeit abgesprochen haben. Bei genauerer Betrachtung und Analyse hat es sich aber gezeigt, dass diese Playoff-Outs jeweils viel mit fehlendem Puckluck und weniger mit Playoffuntauglichkeit zu tun hatten. Der Durchmarsch in dieser Saison steht darum auf einem soliden Fundament.
Interessant die Wirren um den Trade für Mikko Rantanen. GM Tulsky ging seinerzeit «All In», als er das Risiko einging, Rantanen in einem sogenannten Blockbuster-Trade von den Colorado Avalanche zu verpflichten, und dies, ohne sicherstellen zu können, dass Rantanen längerfristig bei den Hurricanes unterschreiben wird, was er dann auch nicht getan hat. Diese «Tradeniederlage» hat die Hurricanes aber kaum geschwächt, und im Nachhinein gelten die Hurricanes sogar als Tradesieger, denn die vermeintlichen «Trade-Trostpreise» Taylor Hall und Logan Stankoven (von DAL) haben sich als Schnäppchen entpuppt. Die Linie mit Taylor Hall, Logan Stankoven und Jackson Blake hat dominiert und auch mich überrascht, und auch die vierte Linie mit Eric Robinson, William Carrier und Mark Jankowsky trug Wesentliches zum Erfolg bei. Dank den weiteren smarten Verpflichtungen von z. B. K’Andre Miller, Nikolaj Ehlers und dem bärenstarken russischen «Eigengewächs» Alexander Nikishin haben die Hurricanes die meiste Tiefe an sogenannten Topspielern. Es fehlt im Kader ein sogenannter Special Player, aber in der Spielerkategorie direkt darunter haben die Hurricanes mehr als andere Teams. Hervorragend auch die Leistungen, welche die Hurricanes von ihrem «Migros-Budget»-Goalietrio (Andersen, Bussi, Kochetkov) erhalten haben. Wie bereits erwähnt, hat GM Eric Tulsky grossen Anteil am Erfolg. Mut und grosse Analysefähigkeiten zeichnen ihn aus. Nicht zu vergessen Coach Rod Brind’Amour. Brind’Amour legt grossen Wert auf Intensität im Forechecking und Disziplin. Aus meiner Sicht gibt es kein anderes Team in der NHL, welches den Gegnern so wenig Zeit und Raum lässt, ihr Spiel zu entwickeln. Die Struktur im Spiel ohne Scheibe ist geprägt davon, immer mehr eigene Spieler in Pucknähe zu haben als die Gegner, und Brind’Amour hat diese Strategie über die Jahre verfeinert. Brind’Amour ist einer der ganz grossen Coaches in der NHL. «Last but not least» die unfassbar starken Leistungen des bereits 37-jährigen Captains Jordan Staal. Zu Recht wurde er als Playoff MVP ausgezeichnet.
Zusammengefasst die vielfältigen Gründe für die Stärke der Hurricanes:
Die Zukunft
Die Hurricanes werden es ähnlich wie die Winnipeg Jets immer etwas schwer haben, ihre Topshots längerfristig halten zu können, denn die Ausstrahlung der Franchise kann z.B. nicht Montreal, Toronto oder New York mithalten. Dank der herausragenden Besetzung hinter der Bande und in der Teppichetage traue ich jedoch den Hurricanes auch mittelfristig das Prädikat Cup-Contender zu. Ich verneige mich vor dieser sympathischen Franchise!