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Artikel - 14 Teams in der National League

Jetzt ist es fix: Es wird einen Aufsteiger in die National League geben und damit 14 Teams ab nächster Saison in der höchsten Liga. Kloten und Olten machen den Aufstieg im Swiss-League-Final unter sich aus. 14 Teams: Was heisst das für die Ausgeglichenheit der Liga? Eine nüchterne Zahlenanalyse von Ueli Schwarz. 

Fast überall hat die 5. Jahreszeit – die Zeit der Eishockey-Playoffs – begonnen. Immer auch ein erster Moment, um einen Rückblick auf die Regular Season zu machen. Ein Versuch auf andere Art.

Es geht hier nicht um einzelne Teams und Spieler, sondern um die Frage nach der Ausgeglichenheit einer Liga. Je näher die Leistungsstärke der Teams zusammenliegt, je ausgeglichener die Liga. 
Die Leistungsstärke wird mit expected goals for percentage (xGF%) gemessen. Kurz erklärt wird jeder Abschlussversuch für oder gegen das Team mit einer Torwahrscheinlichkeit (expected goal for xGF oder eben expected goal against xGA) versehen. Die Summe aller xGF wird dann mit der Summe der xGA . Wären beide Werte exakt gleich hoch, hätten wir xGF% 50 – also ein total ausgeglichenes Spiel. Übersteigt der Wert die 50% dann hat das Team mehr Gefahr generiert als zugelassen. Diese Werte kann man nun pro Team über eine ganze Saison aufaddieren und so die Leistungsstärke xGF% jedes Teams definieren.

Ausgeglichenheit macht alle besser

Enge und ausgeglichene Spiele machen stellen alle zufrieden. Wenn jedes Spiel auf des Messers Schneide steht, jeder jeden schlagen kann und man als interessierter Beobachter im Stadion oder vor dem TV, nicht mit grosser Sicherheit auf den Sieger eines anstehenden Spiels tippen kann, dann hat man ein spannendes, attraktives Produkt! Sportlich betrachtet bedeutet das für Teams & Spieler, dass es jeden Abend eine Top Leistung braucht, wenn man gewinnen will. Ausgeglichenheit macht also alle und alles besser. Nachfolgende Abbildung illustriert die besten Ligen der Welt mit Anzahl Teams und deren Leistungsstärken.

Erklärung:
•    auf der vertikalen Achse: Leistungsstärke xGF% der einzelnen Teams 
•    auf der horizontalen Achse: Anzahl Teams 
•    Punkte auf den Linien: Leistungsstärke der einzelnen Teams 

Betrachtet man die NHL Linie, sieht man, dass das beste Team bei xGF% 60 liegt, dass knapp die Hälfte der Teams noch über 50 liegen und dass selbst die schwächsten Teams noch über 40 liegen. Die Kurve fällt also flach ab: Spielen zwei Teams mit gering unterschiedlicher Spielstärke gegeneinander ist das bezüglich Spielanteilen und Siegwahrscheinlichkeit ein enges, also spannendes und resultatmässig oft ein gutes Spiel für Fans und Teams ! Neben der NHL sind die schwedische SHL, die finnische Liiga und die AHL sind “perfekt” kompetitive Ligen.

Andere Ligen sind ausgeglichener

Schauen wir auf unsere NL 21/22: rund 11 von 13 Teams liegen nahe bei oder über 50%! Das beste Team aber liegt unter 60%. Das heisst, dass die Ausgeglichenheit unter den ersten 11 Teams sehr gut ist. Aber es zeigt auch, dass zwei Teams nicht mithalten konnten und krass abfallen vom Rest. 
In der Abbildung fett abgebildet sind diejenigen Ligen mit ebenfalls deutlichen Leistungsabfällen innerhalb der Liga. Bei der genauen Betrachtung stellen wir jedoch fest, dass dies nirgends so ausgeprägt der Fall ist wie in der NL, wo es zwei Teams mit einem Wert von 37 respektive 27% gibt. Das hat starke Auswirkungen auf die gesamte Liga. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie viele Prozent aller Spiele in einer Liga “ausgeglichen” sind, sprich wie viel der gegeneinander spielenden Teams einen Wert von grösser oder gleich 40 xGF% aufweisen:

So betrachtet weist die NL im Vergleich mit anderen Ligen einen sehr tiefen %-Satz aus. Auffallend ist auch, wie dieser Satz von 20/21 zu 21/22 gesunken ist. In der diesjährigen Regular Season gab es bei 27,8% aller Spiele grosse Unterschiede punkto Spielstärke. Klar muss man diese Spiele als «besseres» Team auch noch gewinnen (passiert nicht immer), aber man ist dabei als «besseres» Team selten so gefordert, wie wenn man gegen die restlichen Teams antreten muss. Aber stimmten jeweils die Einstellung und der Fokus haben wir eben auch lange nicht gesehene «Steinzeitresultate» erlebt. Diese Betrachtung zeigt uns deutlich auf, dass es für die Qualität einer Liga keinesfalls förderlich ist, wenn die Spielstärke von Teams so weit auseinander driftet wie aktuell in der NL.

Wohin geht der Weg?

Die NL wurde auf dieses Jahr um ein Team vergrössert und es wird gar ein 14. Team aufsteigen. Werden die schon jetzt unterdurchschnittlich performenden Teams zulegen? Wird der Aufsteiger kompetitiv sein? Wird sich die xGF%-Schere wieder schliessen? Wird die Kurve flacher und weniger abfallend werden? Alles ein Muss, wenn sich die Liga wirklich gut entwickeln soll. Worstcase passiert das nicht und es wird noch mehr Ligaspiele in der Regular Season geben, wo die Spielstärke so weit auseinanderliegt, wie es dieses Jahr der Fall war.

Dass wir uns richtig verstehen: Diese Feststellung richtet sich nicht gegen einzelne Klubs, sondern sie ist eine ganz nüchterne Analyse. Es geht nur darum, objektiv zu fragen, wie ausgeglichen die NL wirklich war, sein wird und sein sollte. Die NL AG als Verantwortliche für das Gesamtprodukt muss diese Entwicklung genau im Auge behalten und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.
Wollen wir ein sportliches und damit ausgeglichenes Top Produkt, muss unsere xGF% Kurve flacher werden und sich ähnlich präsentieren wie diejenige der NHL. Logisch ist unser Markt an Finanzen & Spielern viel kleiner, aber die NL muss auch nicht 32 Teams umfassen. 

Aber wie viele sind denn genug für die National League?