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Artikel - Wohin führt der Weg der Swiss League?

Der Slogan, der MySports für die Swiss League Playoffs gewählt hat, ist vielschichtig, auch wenn er beinahe infantil klingen mag: 1, 2 oder drei – letzte Chance, vorbei! Gedanken zur zweithöchsten Liga von Andreas Hagmann.

Beginnen wir mit den Schönsten, dem Sportlichen! Kloten konnte bisher alle Erwartungen erfüllen. Die Dominanz darf aus Sicht der Konkurrenz als beängstigend betrachtet werden. Die Klotner können sich eigentlich nur noch selber ein Bein in Richtung National League stellen. Unlängst meinte ein Klotner Exponent auf die Frage, wie die Stimmung im Team sei sinngemäss: „Natürlich gut, aber wir stiessen bisher auch auf keine Widerstände“ Extra verlieren, um Widrigkeiten strotzen zu können? Das wäre eine törichte Idee gewesen. Und doch birgt genau dieses wie durch Butter durch die Qualifikation laufen die grösste Gefahr. Da hilft es, dass sich alle in grosser Demut üben, das hat nichts mit Kleinreden der eigenen Leistung zu tun, sondern mit Cleverness.
Die direkten Konkurrenten Olten und La Chaux-de-Fonds hatten genau solche Negativphasen. Die Neuenburger relativ früh im Herbst, die Oltner erst zum Ende der Qualifikation hin. Während die Neuenburger seit Ende November neben Kloten das klar formstärkste Team sind, haben die Oltner noch zu beweisen, dass sie gestärkt aus ihrer Tiefflugphase in die Playoffs starten. 
Dann wäre da noch der dritte, selbsternannte Aufstiegsaspirant neben Olten und Kloten, der EHC Visp. Erneut zeigten die Oberwalliser eine äusserst durchzogene Qualifikation, haben aber so viel Qualität im Team, dass sie trotz aller Unbeständigkeit zumindest im Viertelfinal nicht abgeschrieben werden dürfen. Zu guter Letzt gibt es noch die bekannten Spielverderber aus Langenthal und aus dem Thurgau. Während die Thurgauer wohl für sämtliche Teams der unangenehmste Gegner sein dürften, fanden die Langenthaler just auf die Playoffs hin ihre Form und sind in dieser Verfassung plötzlich wieder ein Geheimfavorit.

Spannung – zum letzten Mal?

Betrachtet man diese Ausgangslage, dann darf man sich auf sportlich hervorragende Playoffs freuen. Die Frage ist nur, wie oft noch? Der Aufstieg dürfte in naher Zukunft wohl nie mehr so einfach sein und in der Folge droht der Swiss League ein weiterer Qualitätsverlust. Letzte Chance, vorbei, steht sodann nicht nur für den vereinfachten Aufstieg, sondern auch für alle in der Hockeypolitik Verantwortlichen, um die Weichen für ein erfolgreiches Schweizer Eishockey richtig zu stellen. Fünf vor zwölf ist es nämlich schon längst gewesen und das hat nichts mit Pessimismus zu tun.
Wer die Swiss League seit Jahren, ja gar Jahrzehnten verfolgt, kann den langsamen Zerfall einer der einst attraktivsten zweiten Ligen Europas hautnah miterleben. Die Implementierung zusätzlicher Farmteams im Jahre 2016 war de facto der Anfang. Der Mehrwert für die Weiterentwicklung von jungen Spielern ist diesen Teams nicht abzusprechen, im Gegenteil! Es sind sogar Erfolgsmodelle, ohne Wenn und Aber. Gleichzeitig soll erwähnt sein, dass andere, traditionelle Teams ebenfalls ihren Beitrag zur Förderung von Hockeyspielern leisten. Eines der besten Beispiele ist und bleibt der SC Langenthal, dem neben der Produktion von diversen National League Spielern auch noch Swiss League Meisterehren zuteil wurden.

Warnsignale

Die EVZ Academy verschwindet, die neue Swiss League ist dabei nicht unschuldig. Es darf dabei aber nicht vergessen werden, dass die Verantwortlichen der Academy einst proklamierten, dass das Swiss League Team mittelfristig selbsttragend zu sein habe. Dieses Ziel wurde klar verfehlt und so kam die „Neuausrichtung“ der Swiss League sicherlich nicht ungelegen. Denn aller Weiterentwicklung von jungen Spielern in Ehre, aber in der europäischen Sporttradition sind Farmteams sportlich nicht attraktiv. Ich persönlich wurde durch die Swiss League zum Hockey sozialisiert. Bei einem Farmteam wäre das wohl kaum passiert. So wichtig diese für junge Spieler sein mögen, auf anderen Ebenen versagen sie, zumal Eishockey auch davon lebt, junge Leute als Fans zu gewinnen – nur so bleibt das Gesamtprodukt auf allen Ebenen attraktiv, gerade auch für Sponsoren.
Selbst wenn diverse Exponenten nicht müde wurden zu erwähnen, dass die Farmteams eine Bereicherung für die Swiss League seien, da sie sportlich (teilweise) mithalten können, der blendet aus, was viele Verantwortliche, Trainer, Fans, Spieler teils nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Das neuste Beispiel ist Jordane Hauert, seines Zeichen Captain des HC Ajoie. Gegenüber Le Matin meinte er sinngemäss, nach 19 Niederlagen in Serie angesprochen darauf, ob er nicht lieber in der Swiss League erfolgreich wäre: Nein, lieber spiele er in Bern, Zürich oder Davos und verliere, statt in Biasca vor Familie und Bekannten antreten zu müssen. Wenn das kein Warnsignal ist!
Dass die Academy aus der Swiss League zurückgezogen wird, hat wie erwähnt durchaus auch finanzielle Gründe. Schliesslich hat man bereits neue Ideen und will stärker in die Nachwuchsligen investieren, Schweden soll Vorbild sein, schliesslich gelangen dort die Spieler direkt von den Juniorenligen in die ersten Mannschaften und es gebe dort keine Farmteams. Diese Erkenntnis ist löblich, wäre aber bereits 2016 umsetzbar gewesen und die Frage, warum man das damals nicht bereits tat, wird wohl niemand schlüssig beantworten können.

Lobby ist Wunschgedanke

Wie jede Liga, lebt im Weiteren auch die Swiss League von Zugpferden. Mit Ajoie ging bereits eines verloren, welches nicht ersetzt wurde. Mit grosser Wahrscheinlichkeit geht heuer ein weiteres verloren, ohne ersetzt zu werden. Basel in Ehren, aber der EHC war und wird wohl nie ein Zugpferd werden.
Man kann jetzt monieren, dass die Ligaqualifikation ja Bestand haben werde und somit auch in Zukunft Aufstiege möglich seien. Anhand der Informationen der letzten Ligaversammlung ist die Arroganz gewisser National League Exponenten allerdings dermassen gross, dass trotz aller anderen Ankündigungen es eine De-facto-Schliessung der obersten Liga geben wird. Die NL-Vertreter scheinen beispielsweise darauf zu pochen – oder zumindest eine Mehrheit – dass in einer Ligaqualifikation wie während der regulären Saison sechs Söldner eingesetzt werden dürfen! Der Swiss League Verein dürfe dies natürlich auch. Nur ist das ein Hohn, wenn der Swiss League Verein bis und mit Playoffs zwei Söldner einsetzen darf, respektive gar nicht die Mittel hat sechs Söldner zu engagieren. Man ist gar nicht erst versucht eine Durchlässigkeit zu fördern.
Dass der allfällig diesjährige Aufsteiger sich für grössere Durchlässigkeit und die Swiss League in der National League einsetzen wird, das darf im Übrigen leider ebenfalls bezweifelt werden. Es gibt unterdessen einige Vereine, die in der Swiss League jahrelang «schmoren» mussten oder einen heilenden Umweg zu gehen hatten. Sie lobten die Swiss League und strichen ihre Wichtigkeit hervor. Kaum im Oberhaus (zurück), ist davon bei der Mehrheit nichts mehr zu hören oder im schlimmsten Fall wird sogar den Wortführern hinterhergelaufen. Auch hier sollten man Worten Direktbetroffener lauschen, wie beispielsweise Harri Pesonen, der – obwohl mit Langnau bei einem womöglich abstiegsgefährdeten Team unter Vertrag – unlängst gegenüber der Berner Zeitung meinte, dass er mitunter nicht zurück nach Finnland möchte, da es dort keine Durchlässigkeit gebe. Die Meisterschaftsverzerrung sei gross, da ab Weihnachten der grosse Ausverkauf der Teams in der hinteren Tabellenhälfte beginne und somit die Kompetitivität der Liga in Frage zu stellen sei.

Alles nur Schwarzmalerei?

Starke untere Ligen sind mittel- bis langfristig unabdingbar, um das Schweizer Eishockey erfolgreich gestalten zu können. Genügend Spieler mögen gefunden werden, womöglich auch genügend willige. Wenn allerdings das Kompetitivitätslevel fehlt, dann werden irgendwann weniger gute Schweizer Spieler in die National League nachstossen und somit das Gesamtniveau sinken. Die Swiss League wurde gewissermassen zu einer Neuausrichtung gezwungen. Das Maximum konnte sie – teilweise selbstverschuldet – bisher daraus leider nicht holen. Es ist für Branchenkenner wenig überraschend, dass die Suche nach neuen Geldgebern enorm harzt. Es ist ein weiteres Zeichen, dass die Liga insgesamt in der aktuellen Form zu wenig attraktiv ist und bei einem weiteren Aufsteiger noch weniger attraktiv wird. Das wiederum hat Folgen für die Kassen der verbleibenden Swiss League Vereine und das wiederum wird dazu führen, dass entweder diverse Spieler ihre Karriere früher beenden oder die Wettkampfintensität gesenkt werden muss, da sich die Liga ein (Halb-)Profitum schlichtweg nicht mehr leisten kann.
Lösungen sollten gemeinsam angestrebt werden. Insbesondere viele National League Vertretende haben aber kein Interesse daran, da ihr Produkt hervorragend läuft. Sie vergessen aber auf wessen Fundament ihr erfolgreiches Produkt fusst. Lösungen zu finden wird nicht einfach, da National League, die Swiss League und der Verband im Streit liegen. Wie ein ranghoher Funktionär kürzlich meinte, sei es die grosse, hockeypolitische Herausforderung wieder normal miteinander reden zu können, aufhören zu streiten und im Sinne des Schweizer Hockeys Pflöcke einschlagen zu können. Dazu gehört auch, Kompromisse einzugehen. Lösungen für ein gesamtheitlich, erfolgreiches Produkt gebe es: Maximal 12 Teams pro Liga, einfache Durchlässigkeit, sodass ein Abstieg höchstens ein Beinbruch aber nicht ein Kollaps zu bedeuten hat, Stärkung der Nachwuchsligen durch klügere Strukturen, sowie mehr Investition insbesondere auch auf der Erfassungsstufe, um eine noch grössere Breite an Hockeyspielern zu erhalten (höre dazu auch Podcast Puck Off, Episode 103, Andy Küng und die U22-Frage oder lese den Blog von MySports-Experte Ueli Schwarz.). Dies nur ein paar Beispiele, die weder neu noch revolutionär, aber effektiv wären.

Alles schwarz gemalt? Mag sein, denn bereits mein Blog vor rund anderthalb Jahren klang ganz ähnlich. Seither ist allerdings wenig Ermunterndes aus Swiss Leauge Sicht geschehen.
Man darf mir jetzt auch vorwerfen, keine Ahnung zu haben, damit kann ich leben. Ich kann aber für mich behaupten, dich ich mich ernsthaft mit dieser Liga auseinandersetze – und das seit Jahrzehnten.
So oder so bleibe ich ein Daueroptimist und daher bleibt das Prinzip Hoffnung einer selbstheilenden Wirkung oder einer Erleuchtung bei wichtigen Exponenten. Bis dahin erfreue ich mich an den anstehenden Playoffs! Positive Emotionen lenken vom Alltag ab und die Swiss League Playoffs werden definitiv grandios, auch auf MySports!