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Artikel - «Undenkbares andenken ist nicht verrückt, es nicht zu tun hingegen schon!»

Ueli Schwarz denkt in seinem Blog darüber nach, wie man das Problem mit den ständigen Quarantänen und dem damit verbundenen Zeitdruck im Spielplan lösen könnte. Er ist dabei auf eine «verrückte» Idee gestossen: Hockey im Hub.

Wie cool ist doch unsere NL-Meisterschaft! Das Modell mit 50 weit im Voraus geplanten Runden und ab dem Tag x mit Playoffs füllt die Stadien, die Print- und digitalen Medien. Dabei sein ist sexy – für Fans, Sponsoren, Geschäftspartner. Der März 2020 mit dem virusbedingten Lockdown bedeutete aber einen massiven Einschnitt. Alle waren sich sicher, dass es im Herbst 2020 so weiter gehen würde wie früher. Je länger der Sommer dauerte, je mehr dämmerte es, dass der Herbst 2020 eben doch nicht ganz so normal sein würde. Man adaptierte das sportliche Erfolgsmodell einwenig: späterer Start, 2 zusätzliche Solidaritätsrunden in der Regular Season, Abstieg ausgesetzt, Pre Playoffs eingeführt. Mit viel Freude startete man am 1.10. die Meisterschaft. Der Frust kam rasch, indem Zuschauer wieder weggesperrt wurden. Der Hockeysport leidet wirtschaftlich massiv darunter und ein Ende ist nicht absehbar. Man ist trotz schwierigsten Herausforderungen bemüht, Schadens-minderung zu betreiben. Dazu gehört, dass man grundsätzlich am bewährten Schema der Meisterschaftsabwicklung festhalten will, damit TV-Partner, Sponsoren, Medien und die Fans (halt vor dem TV-Apparat) zumindest ansatzweise auf ihre Rechnung kommen und Athleten trotz allem ihrem Job nachgehen können. Ich unterstütze das.

Täglich ein neuer 
Spielplan

Das sportliche Modell  – über viele Jahre bewährt – bleibt das Gleiche: geordnete Abwicklung der Regularseason bis zum Tag x, dann die Playoffs ab Tag y und das letztmögliche Datum für das Finalspiel #7 am Tag z, so dass die Nationalmannschaft gut vorbereitet zur WM reisen kann. Alles schön geplant, in geordneten Bahnen. Man muss sich sich langsam aber sicher damit anfreunden, dass es eventuell dann nicht für 52 Runden reichen wird - und das mit der WM im Mai steht nicht nur aus pandemiegründen in den Sternen. Den Gedanken von verkürzten Playoffs verdrängen wir mal noch einen Moment so gut es geht. Wir lernen aber gerade Folgendes: «Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!» 

Ein Faktor mit dem man kaum gerechnet hat ist die Quarantänepraxis. Der Spielplan muss fast täglich geändert werden. Mitte November ist vorbei und es sind erst etwa 60 von 312 geplanten Spielen gespielt. Ich kenne Spielplanchef Willi Vögtlin über Jahre und weiss, dass er wie ein «Hansdampf in allen Gassen wirbelt und Lösungen sucht» und sie oft auch findet – Hut ab! Auch er hat seine Grenzen, kann er doch den astronomischen Kalender nicht ändern. Die Daten werden knapper und die Regularität der Meisterschaft leidet fortschreitend. Sobald man gezwungen wird, den Spielplan zu reduzieren, wird die Leistung gegenüber vielen Partnern weiter abgebaut. Die bange Frage lautet, wie lange das abgesehen von den wirtschaftlichen Sorgen noch gut gehen kann? 

Wenn uns die Pandemie eines Zweites lehrt, dann dass es nichts Undenkbares gibt. Es gibt nur zwei Lösungsansätze: hoffen, am Alten festhalten bis es nicht mehr geht oder das Undenkbare und damit auch schier unvorstellbare Varianten andenken! Das zweite mag für viele verrückt scheinen. Ich denke anders: Undenkbares anzudenken ist nicht verrückt, es nicht zu tun hingegen schon! In der Konsequenz lieber rechtzeitig Alternativen andenken, als plötzlich keine haben!

Ab in den 
Hub

Ein persönlicher Versuch das Undenkbare zu denken – ohne jeden Anspruch darauf, dass es die perfekte Lösung wäre: man ändert vorerst das sportliche Modell der Regular Season!
Man stoppt die gestartete Meisterschaft, berücksichtigt alle gespielten Spiele und errechnet daraus eine sportlich faire Tabelle in der alle Teams gleich viele Spiele haben (das im Detail zu erklären führt zu weit, es ist aber lösbar). Dann schwenkt man mit dieser Tabelle über in ein Format mit Turnierformaten in verschiedenen Hubs mit strengen sanitarischen Schutzkonzepten!
Dieser Idee liegt zu Grunde, dass man wohl leider noch länger ohne Zuschauer spielen muss…. und dass man weiterhin alles daran setzt, die Anzahl der Spiele nicht zu kürzen. Sollte man diese Idee verfolgen wollen, müsste dann natürlich auch noch eine detaillierte Kosten-Nutzenanalyse gemacht werden!

Was steckt hinter 
meinem Gedanken? 

Das Problem des täglichen Pendelns der Spieler zwischen Team/Eishalle und dem Privatleben birgt täglich (zu) viele Ansteckungsrisiken, die ganze Teams der Quarantänengefahr aussetzen. Deshalb mein Ansatz: lieber für ein paar Tage in einen Hub, dort bleiben, paar Spiele in Serie spielen und erst dann wieder nach Hause gehen. Einmal 48 Stunden vor und ein zweites Mal beim Eintritt in den Hub wird getestet. Nur doppelt negativ Getestete gehen für 4 Tage in den Hub, incl. Hotels – die andern bleiben zu Hause. Der ganze Schutzaufwand wird so für jeweils paar Tage und paar Spiele gemacht. Das Risiko einer Quarantäne wäre deutlich verringert.

Wie ist der 
Lösungsansatz?

Die 12 NL Teams werden auf Grund der Starttabelle sportlich fair in drei Gruppen A,B & C aufgeteilt und pro Gruppe wird ein Hub bestimmt. Im Hub selber spielt ab Donnerstag bis Sonntag jeder gegen jeden ein Spiel mit je einem Ruhetag/Team. Pro Hub ergibt das 6 Spiele, pro Team 3 Spiele, als Liga 18 Spiele in 4 Tagen und als TV-Zuschauer kann man 4 Tage lang täglich mehrere Spiele aus den drei Hubs verfolgen. Anstatt volle Zuschauerränge, haben die Sponsoren der jeweiligen Teams in ihrem Hub die Tribünen als grosse Werbeflächen zur Verfügung. Die TV Zuschauer können sich satt sehen. Nach 4 Tagen wird eine Gruppentabelle erstellt. Sie wird zur Starttabelle addiert und verwendet, um drei neue Gruppen für die nächsten Turniere zu bilden.
Eine Woche später – in 3 neuen Gruppen und ev 3 neuen Hubs (tbd) - wiederholt man das. Je die drei Gruppenersten aus dem ersten Weekend sind für das nächste Turnier in jeder Gruppe gesetzt. Die Gruppenzweiten, -dritten und -vierten teilt man je einer neuen Gruppe zu, nach dem Prinzip, dass es pro Gruppe immer einen Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertplatziertes Team gibt – was sportlich fair ist (kleine Anmerkung: seit eh spielt ja nicht jedes Team gegen jedes gleich oft…). 
Das Prozedere lässt sich mehrfach wiederholen bis am Tag y. Am Tag x ist dann Playoffstart. Man hat eine Tabelle, in der alle gleich viele Spiele aufweisen und vorallem man hat möglichst viele Spiele gespielt. Sollten plötzlich zu unser aller grossen Freude Zuschauer wieder zugelassen werden, könnte man mit einem «Restspielplan» wieder zum courant normal zurückschwenken. Sollten selbst im Playoff noch immer «undenkbare Zeiten» herrschen, könnten auch diese Serien in Hubs ausgespielt werden. Undenkbar ist nichts. Ich verzichte nun darauf das im Detail zu schildern und hoffe auf bessere Zeiten mit dann spätestens wieder zugelassenen Zuschauern in den Stadien.

Man darf mich für verrückt halten, ich hab kein Problem damit. Aber wenigstens bin ich nicht so verrückt, das Undenkbare nicht anzudenken. Man weiss ja nie.