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Artikel - Überzeugende Auftritte und positive Überraschungen

Ein Viertel der Regular Season ist gespielt und dies ist für mich ein Zeichen, erste scheue Eindrücke des aktuellen NHL-Eishockeys zu präsentieren. Auffälligkeiten, positive Überraschungen; die negativen erspare ich euch an dieser Stelle.

Die Teams

New Jersey Devils        16 – 4 – 0

Grossartige Siegesserie mit unseren Schweizern Nico Hischier und Jonas Siegenthaler in Haupt- und dem Goalie Akira Schmid immerhin in einer Nebenrolle.

Boston Bruins            17 – 3 – 0

Den alternden Bruins wurden nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Brad Marchand und Charlie McAvoy ein schwacher Saisonstart vorausgesagt – auch von mir. Weit gefehlt!

New York Islanders        13 – 8 – 0

Die in der letzten Saison schwächelnden Islanders haben im Sommer im Freeagent-Pool und auf der Spielwiese der Trades versagt. Die Antwort ist ein überraschend guter Saisonstart.

Detroit Red Wings        10 – 5 – 4

Den Red Wings wurden aufgrund der Sommeraktivitäten eine spürbare Verbesserung zugetraut. Diese Erwartungen haben sie bis jetzt sogar noch übertroffen.

Dallas Stars            12 – 5 – 3

Für mich ein Team eher für das Mittelfeld, sie winken aber von ganz zuoberst in der Tabelle.

Vegas Golden Knights        16 – 4 – 1

Ähnliches wie für Dallas gilt für Vegas.

Winnipeg Jets            11 – 6 – 1

Die Jets galten nicht nur für mich vor der Saison nicht als Playoff-Contender. Aktuell strafen sie mich Lügen.

Seattle Kraken            11 – 5 - 3

Eindrücklich, wie sich Seattle in nur sehr kurzer Zeit entwickelt hat. Hoffentlich können sie diese Leistungen über die gesamte Regular Season hinweg bestätigen.

Spieler

Der nach der letzten Saison schon fast tot gesagte Erik Karlsson, San Jose Sharks, blüht in alter Frische und Rasmus Dahlin, Buffalo Sabres, zeigt jetzt exakt das, was man sich beim Draft von ihm erwartet hat: Weltklasse-Offensive. Jason Robertson, Dallas Stars, der bereits in den letzten Saisons sehr effiziente «Master der Ugly Goals» hat sich im ersten Saisonviertel in dieser Hinsicht zum Liga-Dominator des Slots entwickelt und dies gepaart mit seiner herausragenden Fähigkeit, Goalchancen zu kreieren. 

Scoring is Up

Sehr erfreulich: Der Trend zu mehr Toren hält an. Was die GMs seit geraumer Zeit mit ihrem «Finetuning» hinsichtlich Regeln provozieren, resultiert im angestrebten Ziel. Aber nicht nur die Regelanpassungen sind für mehr Tore verantwortlich, auch immer mehr Teams wählen eine proaktive, attraktive, offensive Spielstrategie mit vielen kreativen Freiheiten für die Verteidiger. Hinzu kommt, dass es noch nie so viele Spieler mit «high-end» Skills gab wie in der aktuellen NHL. In der grossen Mehrheit der Spiele sehen wir trotz wenig Platz und noch weniger Zeit, sensationelle Kunst der «skilled Players» die sie aufs Eis zaubern. 
Hier die Zahlen der durchschnittlich erzielten Tore:
16-17    2.77
17-18    2.97
18-19    3.01
19-20    3.02
20-21    2.94
21-22    3.14
22-23    3.19

Traditionell ultra defensiv orientierte Teams spielen offensiver

Teams, wie z.B.  die Boston Bruins, die Dallas Stars und die New York Islanders haben auf diese Saison hin den Headcoach ausgewechselt, spielen jetzt ein viel mutigeres, kreativeres Eishockey und haben im ersten Saisonviertel deutlich mehr Punkte eingefahren als erwartet.

Viele gut gestarteten Teams haben unterdurchschnittliche Goalietickets

Nur gerade die Dallas Stars mit Jake Oettinger und die Winnipeg Jets mit Connor Hellebuyck können von den top gestarteten Teams auf einen allseits anerkannten Supergoalie zählen. Bei vielen anderen Top-Teams und/oder Teams die positiv überraschen (z.B. Toronto Maple Leafs, Colorado Avalanche, New Jersey Devils, Seattle Kraken, Vegas Golden Knights, Boston Bruins) haben die meisten Experten vor der Saison auf deren unterdurchschnittliches Goalieticket hingewiesen. 

Der Tod des Slapshots

Der gute alte Slapshot ist ein Fossil vergangener Tage. Al Iafrate, Al MacInnis und Dustin Byfuglien mögen es mir verzeihen, ihr damaliges Markenzeichen ist heute nicht mehr gefragt. In der modernen NHL gibt es kaum mehr Zeit, zum Slapshot anzusetzen, andere Schussoptionen sind weit wirkungsvoller, ja selbst der geschlagene Direktschuss – mit Ausnahme aus sehr kurzer Distanz – verliert immer mehr an Bedeutung, sofern der Goalie gute Sicht hat.

NHL teams' average slap shots per game:

Bild Slap Shot

  


Thomas Roost

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah.  Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.

https://www.thomasroost.com I Twitter: @thomasroost

ROOST RAMBLINGS – 
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