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Artikel - Nico Hischier auf den Spuren von Patrice Bergeron

Fünf Tore, fünf Assists erzielte Nico Hischier in den ersten zehn Saisonspielen für die New Jersey Devils. Für Thomas Roost hat der 23-Jährige ein neues Level erreicht — aber nicht nur wegen seinen guten Skorerwerten.

Die Saison ist noch sehr jung und ich gehöre nicht zu denen, die aufgrund von Einzelbeispielen und so genannter «small samplesize» auf «Wahrheiten» schliessen. Trotzdem mache ich jetzt eine Ausnahme und huldige dem fantastischen Saisonstart von Nico Hischier bei den New Jersey Devils.

Nico Hischier wurde 2019 als 1st-Overall Pick von den New Jersey Devils im NHL-Draft ausgewählt und hat damit Schweizer Eishockeygeschichte geschrieben. Sogar das Weltklasse-Eishockeyland Finnland konnte noch nie einen 1st-Overall Pick im NHL-Draft stellen. Die Erwartungen an die Leistungen eines solchen 1st-Overall Picks sind unglaublich hoch und die Häme im Falle des Nichterfüllens nicht zu knapp (z.B. Daigle, Yakupov, DiPietro, Stefan), um nur diejenigen der jüngeren Geschichte zu nennen.

Der Druck auf einen 1st-Overall Pick ist enorm und Hischier hat bereits früh in seiner NHL-Karriere aufgezeigt, dass er nicht zu den «Fails», nicht zu den Versagern in dieser Gilde gehört. Seine ersten Saisons waren geprägt von solidem Zweiwegspiel auf hohem Niveau und einer ordentlichen Punkteausbeute, hinzukamen aber einige lästige Verletzungen. Erste Beurteilungen ordneten ihn als leicht unterdurchschnittlichen 1st-Overall-Pick ein, dies im Vergleich zu Spielern wie MacKinnon, McDavid, Matthews, Kovaltschuk, Nash, Fleury, Crosby, Erik Johnson, Patrick Kane, Stamkos, Hall, Nugent-Hopkins, Ekblad, Dahlin, Hughes, Lafrenière, Power, Slafkovsky. Immerhin war er weit entfernt von Flops wie Yakupov, Stefan oder Daigle, und niemand war so richtig enttäuscht denn Nico lieferte solide, gute Arbeit ab und wurde sogar zum jüngsten NHL-Captain ernannt. 

Stark am Bully-Punkt

Was hingegen Nico Hischier in dieser Saison bisher zeigt, ist schlicht und einfach Weltklasse. Er hat auf bereits hohem Niveau ein noch höheres «Level» erreicht. Wenn er diese Leistungen konstant über die ganze Saison abliefern kann, dann wird er Patrice Bergeron in der Beurteilung als weltbester Zweiwegcenter sehr gefährlich.

Bergeron scheint ja auf diesen informellen Titel ein Abo gelöst zu haben, aber Nico bedrängt ihn mit seiner Frühform, ohne Frage. Nico hat seine Skorerproduktion erhöht, nicht aber zum Preis der Vernachlässigung seines «High-End-Zweiwegspiels». Zudem hat er seine erstaunlichen Fortschritte bei den Face-Offs weiter verfeinert und er steht aktuell mit sensationellen 63% gewonnener Face-Offs zu Buche, damit sogar leicht besser als Patrice Bergeron.

Im Spiel gegen den Stanley Cup Sieger Colorado Avalanche, hat Nico Hischier den Devils-Rekord von Bobby Holik aus dem Jahr 1999 egalisiert und sagenhafte 16 von 17 Faceoffs gewonnen! Die Advanced Stats zeigen ebenfalls gute Werte bei Nico Hischier und sein eh schon grosses Ansehen bei vielen nordamerikanischen Experten ist auf hohem Niveau noch einmal gestiegen. Mindestens kurzfristig hat sein offensiver Output auch nicht darunter gelitten, dass er aufgrund des Ausfalls von Palat, mit Zetterlund und Tatar eine Linie mit maximal mittelmässigen Flügeln anführt.

Kaum Grund für Kritik

Nico Hischier, seine «Calling Card» ist die Mischung aus guten Skills und gewissenhaftem Zweiwegspiel. Sein Selbstvertrauen mit der Scheibe am Stock ist gewachsen und er behauptet sich besser im engen Verkehr rund ums Tor. Es gibt kaum etwas zu kritisieren. Hischier ist mit 23 Jahren bereits ein unglaublich reifer, intelligenter Spieler, nach vorne, wie nach hinten. Wenn ich ein Haar in der Suppe finden müsste, dann wünsche ich ihm noch etwas mehr Aggressivität als «Shooter».

Zusammenfassend bin ich völlig begeistert von seinen bisherigen Leistungen in der noch jungen Saison und wünsche ihm, dass er verletzungsfrei bleibt. Nico Hischier, ein eher ruhiger, stiller Leader, der als Captain mit Vorbildfunktion und nicht mit markigen Worten funktioniert, er hilft mit seinem Charakter und seiner smarten, mannschaftsdienlichen und trotzdem sehr produktiven und durchaus auch attraktiven Spielweise der Reputation des Schweizer Eishockeys enorm. Ich verneige mich.

  


Thomas Roost

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah.  Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.

https://www.thomasroost.com I Twitter: @thomasroost

ROOST RAMBLINGS – 
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