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Artikel - Ein Blick in die Zukunft

Während Toronto erneut in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden ist und dafür viel Häme einstecken musste, schafften es die Edmonton Oilers immerhin in den Conference Final. Wohin führt der Weg der beiden Teams mit grossen Namen und langer History? Thomas Roost wagt in seiner Kolumne einen kleinen Ausblick.

Vor 30 Jahren waren die New York Rangers das Gespött aller gegnerischen Fans denn wenn sie wieder mal glaubten, zu den Contendern zu gehören, ertönte in den fremden Stadien das hämisch vorgetragene «1940»… dies in Anspielung an den letzten Cup den die Rangers gewonnen haben. Die «modernen» Lachnummern der NHL sind die Edmonton Oilers und die Toronto Maple Leafs. Zu Recht?

Oilers: Die Baustellen sind klar

Beginnen wir mit den Edmonton Oilers, die in dieser Saison immerhin die Conference Finals geschafft haben, dort aber sehr klar gescheitert sind. In vielen Jahren meinten es die Draftgötter gut mit den Oilers, sie konnten wiederholt die Nummern 1 Overall auswählen und darum war die Erwartungshaltung gross, dass die Oilers bald zu altem Glanz zurückfinden würden. Weit gefehlt, trotz Yakupov (neben Daigle einer der grössten Nr.1 Overall-Flops), Nugent-Hopkins, McDavid und dem Nr.3-Pick Draisaitl ist es den Oilers nie gelungen, sich als ernsthaften Contender zu positionieren, oft wurden sogar die Playoffs verpasst. Die Probleme lagen im fehlenden so genannten Supporting Cast.

In dieser Saison fanden die Oilers nach dem Coachingwechsel auf die Erfolgsspur zurück und das Management hat auch begonnen, bei Trades die richtigen Knöpfe zu drücken. Die aktuellen Oilers sind weit von einer Lachnummer entfernt. McDavid und Draisaitl (der zudem verletzt war!) spielten wie von einem anderen Stern. Connor McDavid hat in dieser Saison (Regular Season plus Playoffs) sagenhafte 156 Scorerpunkte verbucht, so viele wie kein Spieler seit 1995! Der Supporting-Cast zeigt sich mit Kane, Hyman, Nugent-Hopkins und in der Defense, mit dem aufstrebenden Bouchard, Nurse (spielte ebenfalls verletzt in den Playoffs) und Ceci, tendenziell verbessert. Sie sind nahe dran und bei den Oilers ist es glasklar, welche Puzzleteile noch fehlen. Stabiles Goaltending und ein top Zweiwegverteidiger. Mit McDavid und Draisaitl haben die Oilers die «Game Changer» «up front». Jetzt fehlt noch ein wenigstens durchschnittlicher Goalie und ein zuverlässiger, «hard nosed» Defender. Dies sollte relativ einfach zu finden sein. Darum: Die Oilers sind weit entfernt von einer Lachnummer, sie sind mit einer Hand am Cup und die Stellschrauben, an denen gedreht werden muss, sind klar!

Toronto: Druck des Salary-Caps

Die Ausgangslage bei den Toronto Maple Leafs ist gänzlich anders und anspruchsvoller. Sie haben ein ausgewogenes Team mit allen notwendigen Tools zusammengestellt, welches bereits in dieser Zusammensetzung sehr klar zu den Cup-Anwärtern gehörte und nicht nur Steve Stamkos («they have everything, toughest series we’ve played») oder Mats Sundin («I’m very, very optimistic about what management has done to build this team, I wouldn’t trade the core of the Leafs for any other core around the league») teilen diese Meinung. Wieso sind denn die Leafs erneut bereits in der ersten PO-Runde gescheitert? Die Leafs haben in der Serie gegen Tampa 3-2 geführt und das Spiel 6 ging in die Overtime. Es war ein so genanntes «One-Shot-Game». Mit einem einzigen Schuss wäre Tampa raus gewesen und den Leafs wäre zugejubelt worden. Darum war es ein zufälliges Ergebnis in einem unglaublich hochstehenden Duell; eine der beiden Top-Teams musste sich verabschieden.

Wie gesagt, die Ausgangslage bei den Leafs ist gänzlich anders als bei den Oilers, denn die Unschärfe betreffend wo noch Finetuning gemacht werden muss – falls überhaupt - ist gross. Ok, die Goalieposition Nr. 2 benötigt einen «Upgrade». Eventuell genügt auch Tavares nicht mehr ganz als Nr. 2 Center und er wäre wertvoller als Flügel. Marner und Nylander waren als Junioren Center und eventuell könnte Marner als Zweitliniencenter neben Tavares als Flügel getestet werden und Nylander als Flügel neben Matthews und Bunting. In der Defense wird vermutlich der ungenügende Justin Holl verabschiedet, was etwas Cap-Space ergibt. Die grössten Herausforderungen ergeben sich aber durch das Salary-Cap und den Druck der «Revolver-Presse», die nach dem erneuten Scheitern ein Köpferollen fordert. Diesem Druck zu widerstehen wie auch das Jonglieren mit Zahlen, das sind die Hausaufgaben für den GM, Kyle Dubas. 

Zusammenfassend meine klare Meinung: Weder die aktuellen Oilers noch die Leafs sind die Lachnummern der Liga. Die Leafs gehören zusammen mit Colorado und Tampa zu den allerbesten Teams der NHL und die Oilers sind nicht allzu weit davon entfernt. Neue Saison, neues Glück! 

  


Thomas Roost

Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den Central Scouting Service und verfolgt die beste Liga der Welt hautnah.  Für MySports ist Roost als NHL-Experte & Co-Kommentator im Einsatz. In seiner wöchtenlichen Kolumne «Roosts Ramblings» schreibt er über Themen aus der NHL und der grossen Hockey-Welt.

https://www.thomasroost.com I Twitter: @thomasroost

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